Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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488
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Dr. Hans Ziemann.

Licht unempfindlich und diktiert. Das Chinin muß natürlich bei solch starken Intoxikationserscheinungen sofort ausgesetzt werden und für völlige Bettruhe in dunklem, stillem Zimmer gesorgt werden.

Gudden beobachtete neuerdings an der Westküste Afrikas ebenfalls Temperatur­steigerungen nach prophylaktischen Chinindosen, ohne daß ein anderer Grund als das Chinin dafür hätte gefunden werden können. (Vgl. frühere Mitteilung F. Plehns.)

Um das speziell so überaus lästige Ohrensausen zu mildern, empfahl ich schon vor einigen Jahren, den gegen das Spezifikum empfindlichen Personen Bromkalium in derselben Dosis wie das Chinin selber zu geben.

In Kamerun hatten wir damit in mindestens 75 °/ 0 der Fälle gute Resultate. Wendland berichtet aus Neu Guinea ebenfalls darüber günstig; Maass sah keine Erfolge davon. Fisch in Aburi empfiehlt gegen Ohrensausen Brom wasserstoffsäure, 1020 Tropfen in Zuckerwasser. Auch Urethan wurde gegeben, um die unangenehmen Wirkungen des Chinin abzuschwächen.

Die Wirkung des Chinin auf den Organismus ist in den Tropen nicht immer die gleiche trotz gleicher Resorption, indem die Chininbeschwerden bald etwas stärker, bald etwas schwächer empfunden werden. Die Meinung ist ziemlich ver­breitet, daß Chinin bei latenter Malaria direkt wie ein Reagenz durch Auslösen stärkerer Wirkung auf den Organismus sich verhielte. Celli nimmt bei fortgesetztem Gebrauche kleinerer Dosen eine kumulative Wirkung des Chinin an.

Von den furchtbaren Intoxikationserscheinungen des Chinins bei Schwarz­wasserfieber sprechen wir in dem betreffenden Kapitel.

Den gewöhnlichen eben erwähnten Intoxikationserscheinungen nach Chinin, wie Ohrensausen, Zittern usw., unterliegen die farbigen Rassen genau so wie die weißen.

Die hypnotische Wirkung des Chinins, die dasselbe, abends genommen, in leichtem Grade ausübfi ist auf die Chinintaubheit zurückzuführen, welche schlaf­störende Geräusche nicht zum Bewußtsein kommen läßt.

Auch eine leicht diuretische Wirkung wird dem Chinin nachgerühmt. Be­züglich Albuminurie nach Chinin vgl. Schwarzwasserfieber.

Art der Chinineinnahme.

Per os ist die gewöhnliche Art der Einnahme. Man wird bei gewöhnlichen einfachen Fiebern mit dieser Anwendungsart auch durchaus auskommen. Man darf aber nicht vergessen, daß das Chinin nur dann wirksam ist, wenn es gänzlich vom Magen resorbiert wird. Man gebraucht innerlich nur die relativ leicht in Wasser löslichen Salze des Alkaloids, besonders das Chininum hydrochloricumundbisulfuricum. Nur auf diese beziehen sich die folgenden Angaben. Es darf bei interner Anwendung nie auf vollen Magen genommen werden, sondern entweder nüchtern oder wenigstens 3 Stunden nach dem Essen, stets in Verbindung mit etwas Salzsäure, 2 Tropfen auf 1 Weinglas voll Wasser, am besten bei therapeutischen Dosen vormittags, nachdem man in der Frühe eine Kleinigkeit gegessen. Da der Beginn der Fieber in der übergroßen Mehrzahl der Fälle in die Zeit zwischen 10 a. m. bis o p. m. in den Tropen fällt, auch in unseren Breiten, wird das Chinin schon deshalb meist vormittags genommen werden müssen. Jede Störung der Magensekretion verhindert auch die Sicherheit in der Chininwirkung. Man wird daher, falls man nicht zur Einspritzung des Chinins greifen will, bei Erbrechen dasselbe zu stillen suchen und die Chiningabe, falls erbrochen, wiederholen müssen.

Chinin in Zigarettenpapier zu nehmen, ist mit Recht schon lange verpönt.

Theoretisch wäre die richtigste Methode: