Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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Malaria.

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werden können, rate ich doch dringend, bei allen schweren Neuerkrankungen an Perniciosa vorläufig bei den großen Dosen zu verharren und bei den intramuskulären Injektionen des Chinins, die uns von der fast stets vorhandenen Gastritis unabhängig machen. Selbstverständlich muß die NocuTsche Chinintherapie auch bei Neu­erkrankungen in den Tropen noch erprobt werden.

'Wirkungen des Chinin auf den menschlichen Organismus.

Dieselben sind individuell sehr verschieden. Bei einigen äußert sich wenig Wirkung des Chinin, auch wenn zweifellos völlige Resorption stattgefunden hat. Bei anderen machen sich die Chininwirkungen schon bei therapeutischen Dosen iu Ohrensausen und Verringerung des Gehörs bemerkbar, weniger häufig in Übel sein, Zittern der Hände, bitterem Geschmack im Munde, schwacher Herztätigkeit, Herzklopfen und Erweiterung der Pupille ev. in Schwindel, Ohnmacht, Angstzuständen, Urticaria und Erythemen. Diese Symptome können sich in sehr seltenen Fällen schon bei therapeutischen Dosen, häufiger bei hohen Dosen, zu 68 g und mehr, unter Umständen zu Taubheit, Blindheit, psychischen Erregungszu­ständen steigern. Ferner werden beobachtet Kollaps zustande, sowie auch schmerzhafte uterine Koliken des Uterus und Metrorrhagien.

Trousseau sah bei einer Nonne nach 1,2 Chinin einen Tag währende Geistesstörung, Kizu bei einer Frau nach 0,1 Chinin Schwellung des Gesichts, Tränenfluß, Niesen und an allen mit kaltem Wasser benetzten Stellen Urticaria, was sich nach jeder Chinindosis wiederholte.

Külz berichtet von sehr starken parenchymatösen Blutungen aus Magen, Darm, Mund und Nase, besonders aus dem Zahnfleisch und Blutungen in der Haut und den Kon­junktiven, welche bei einem an Perniciosa auch schon früher oft erkrankten alten Afrikaner nach 1 g Chinin auftraten. Es war also das Zusammenwirken zweier Faktoren nötig, um jenen an Hämophilie erinnernden Prozeß hervorzurufen. Bereits 0,05 Chinin per os vermochte einen, wenn auch schwächeren Anfall von akuter Hämophilie hervorzubringer. Außerdem kam es bei jenem Patienten nach einer späteren Chinindose zu Schwarzwasserfieber. Verf. behandelte vor wenigen Monaten einen in Deutschland auf Urlaub befindlichen Kaufmann aus Kamerun, der früher Bluter gewesen war und jetzt an schwerer Hämophilie aufs neue mit Blutungen unter die Haut, die Konjunktiven, die Meningen usw. erkrankte. Der Betreffende hatte Chinin, das er wegen tropischer Malaria nahm, gut vertragen, auch während des neuen Ausbruches der Hämophilie. In diesem Falle hatte also zweifellos der Tropenaufenthalt bzw. die Malaria allein die hämorrhagische Diathese aufs neue iu Erscheinung gebracht.

Plehn beobachtete einen Fall von Idiosynkrasie bei einer noch nie an Malaria erkrankten Dame, bei der es wenige Minuten nach Einnahme von 1 / 2 g Chinin zu leb­haftem Hautjucken, erythematöser .Rötung von Hals und Brust und zu Schüttelfrost mit Temperatur bis 38,7 kam. Nach 1 g Chinin, intramuskulär stieg die Temperatur sogar auf 40° C. Der Urin blieb indes normal und nach wenigen Stunden kehrte die Temperatur zur Norm zurück, ohne daß sonstige krankhafte Spuren zurückblieben.

Solche Personen sind selbstverständlich gänzlich tropendienstunfähig, und muß eine Untersuchung vor der Ausreise in die Tropen auf etwaige Idiosynkrasie gegen Chinin angestellt werden.

Kocht sah in einigen Fällen bei seinen Rezidiven jedesmal nach dem Ein- nelimen von Chinin Albuminurie auftreten.

In der Regel verschwinden die Erscheinungen der Idiosynkrasie nach späte­stens 48 Stunden wieder. Die Amaurose aber kann unter Umständen noch mehrere Monate bestehen und eine Einschränkung des Gesichtsfeldes verbunden mit Seh­nervenatrophie Zurückbleiben. Die Pupillen sind bei dieser Chininamaurose gegen