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Dr. Hans Ziemann.
vorläufig weiter abwartend und symptomatisch, ohne Chinin zu geben. Zeigt das Blut neben weuigen Schizonten hauptsächlich Gametocyten, offenbart sich also ev. eine gewisse Neigung zur Spontanheilung, wenigstens der Malaria, wird man ebenfalls mit dem Chinin vorläufig warten, da das Chinin ja doch machtlos gegen die Gametocyten ist. In solchen Fällen haben die Malariaparasiten sich schnell quasi akkomodiert an das als Nährmedium so verschlechterte Blut des Schwarzwasserfieberkranken.
Verschlechtert sich der Zustand des Patienten infolge Fortbestehens oder sogar Zunahme des Blutzerfalls (Hämoglobinurie) und Fortbestehens der Malariainfektion, so kommen wir in eine der schwierigsten Lagen, die sich der Arzt denken kann. Auf der einen Seite die Malaria, welche wegen der fortschreitenden Anämie Chininbehandlung erfordert, auf der anderen das Schwarzwasserfieber, welches Chinin kontraindiziert.
Wir müssen dann Chinin geben, beginnend mit Dosen von 0.1, und in der Weise die Dosen steigern, daß man am selben Tage 0,2, am anderen Morgen 0,3, am anderen Abend 0,4, dann weiter 0,5 etc. gibt, bis 1,0 pro die erreicht ist. Bei starker Chininidiosynkrasie wird man sogar jede Dose nur um 0,05 steigern.
Ist das Schwarzwasserfieber ein sehr stürmisches und spontan ohne Chinin entstanden, besteht aber die Malaria weiter, beginnt man mit 0,5 Chinin und steigt schnell auf 1,0 intramuskulär. Man spielt dann eben va banque.
Bei Fällen von akutestem Schwarzwasserfieber, ausgelöst durch Chinin, scheinen die Parasiten rapide schnell aus der Zirkulation zu schwinden.
Nocht's C h i n i u t li e r a p i e.
Neuerdings veröffentlichten Nociit und Ufer die außerordentlich günstigen Erfahrungen, die ersterer in Hamburg mit kleinen aber häufigen Chinindosen gemacht. Nocht läßt 0,2 Chinin innerhalb 8 Stunden in 2ständigen Zwischenräumen fünfmal geben und zwar um 7, 9, 11, 1 und 3 Uhr, ohne Rücksicht auf das jeweilige Fieberstadium. Erbricht der Patient eine Dosis, so bekommt er sofort noch einmal die gleiche; so wurde täglich niemals weniger als 1,0 gegeben. In den ersten 8 Tagen gab man 0,2 g Chinin fünfmal täglich, dann in Pausen von 3, 4, 5, 6, 7 und 8 Tagen an 3 aufeinanderfolgenden Tagen wiederum. Zuletzt wird in 8 tägigen Zwischenräumen in erwähnter Weise das Chinin noch wochenlang weiter gegeben. Die Erfolge waren sehr gute, die Behandlungsdauer nicht länger als bei großen Chinindosen.
Während in 26,4% der mit großen Dosen behandelten Fälle nach einmaliger Chinin Verabreichung kein Fieber mehr auftrat, blieben bei denen mit kleinen Dosen behandelten die Anfälle in 41,8 °/o aus. Auch die Rezidive waren weniger zahlreich. Als weitere Vorteile werden gerühmt der Mangel an Nebenerscheinungen, die den Gebrauch des Chinins in großen Dosen so unangenehm machen, die verringerte Gefahr des Eintritts von Schwarzwasserfieber und die Möglichkeit, sofort mit der Therapie zu beginnen, nachdem die Diagnose auf Malaria gestellt ist.
Bei näherer Betrachtung widersprechen diese hochinteressanten Resultate unseren früheren Ausführungen nicht. Das innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums (8 Stunden) eingeführte Chinin muß sich nach den Untersuchungen von Mariani in der Blutflüssigkeit akkumulieren, so daß de facto auch bei diesem Modus eine relativ große Chininmenge auf die Parasiten einwirkt. Vor allem ist bemerkenswert, daß nicht die ängstliche Rücksichtnahme auf die Intermission genommenwird, wie es Koch vorschreibt.
So außerordentlich wichtig und schön diese Resultate bei Hospitalbehandlung