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Dr. Hans Ziemann.
befindlichen Parasiten. Während in ersterem Palle das Chromatin etwa */„ des Ge- -9 ' samtvolumen des Parasiten einnimmt, nimmt dasselbe bei schon einigermaßen vorge- -egn< schrittenen Teilungsformen des Schizonten, nach Romanowsky gefärbt, die Hälfte ein m:> Jedoch die Volumzunahme des Chromatins an sich scheint mir die geringere Wirksam- -ansa keit des Chinins weniger zu bedingen, als vielmehr die außerordentlich erhöhte vitale Mali Eigenschaft, die sich während der Teilung im Chromatin offenbart. Mit anderen Worten nst-r
das Chinin -wirkt bedeutend stärker deletär auf die rein n vegetativen Entwicklungsphasen der Malariaparasiten, während hu deren das Plasma an Menge zunimmt und die Pigmentbildung "gai stattfindet, als auf die Teilungsphasen mit Chrom atinteilung. .g u Und wenn die kleinen Parasiten der Perniciosa auch schon im jüngeren endoglo- -olobulären Stadium dem Chinin bedeutend mehr Widerstand entgegensetzen, als die i 91 / Parasiten der Tertiana und Quartana, so scheint auch hierbei die besonders starke effu aktive Fälligkeit zur Proliferation d. h. zur Vermehrung des Chromatins bei diesen noa- Formen eine Rolle zu spielen.
Aber auch das im Vergleich zum Plasma der Tertianparasiten kompaktere Plasma ßim der Perniciosaparasiten dürfte zur Erklärung der Chininresistenz der letzteren heranzu- ziehen sein. Ferner zeigt der den Tertianparasiten umhüllende rote Blutkörper eine 9ni‘
spezifische, hydropische Aufblähung, welche die Wirkung des Chinins auf den Parasiten noj.
erleichtern dürfte.
ln diesem Zusammenhänge sei auch erwähnt, daß das Chromatin aller Parasiten rrn > in Malariablut, welches ich in Blutegeln konservierte, sich ganz bedeutend länger färberisch huai nachweisen ließ, als das Plasma und zwar 6—8 Tage. Dasselbe fand ich bei Ausstrich- -hui Präparaten aus Leichenblut, zum Teil noch 24 Stunden nach dem Tode des Patienten.
Die durch vorstehende Erwägungen gewonnenen Resultate decken sich durch- -iE aus mit den empirisch gefundenen Tatsachen. Man wußte schon lange, daß fln
Chinin, welches meist etwa 4 Stunden nach dem Ein nehmen seine 6ti
Hauptwirksamkeit entfaltet, 4—5 Stunden vor dem Anfall zu geben no sei. Das Chinin wirkt dann eben auf die neuentstehenden freien Merozoiten. Der aot
Anfall tritt dann zwar noch ein, aber die jungen Merozoiten werden, wie erwähnt, abgetötet. Theoretisch dürfte dann kein neuer Anfall mehr entstehen, ln der Praxis aix
aber bleibt es öfter selbst bei Tertiana simplex oder Quartana nicht bei dem einen na
Anfalle, da nicht alle Parasiten im Momente der Chininwirkung auf derselben Ent- -tu
wicklungsstufe stehen, sondern neben ganz entwickelten Sporulationsformen auch ho.
weniger entwickelte und auch schon endoglobuläre Formen Vorkommen.
Chinin und Leukocytose.
Die Leukocytose wird durch Chininwirkung durchaus nicht beeinträchtigt, nur daß sie scheinbar nach Chiningaben etwas später eintritt, aber dann in noch ho
stärkeren Grade als ohne Chinin. Der Grund dürfte sein, daß durch die Chinin- -n.
Wirkung eine Menge Parasiten absterben, deren Leiber und Stoffwechselprodukte, wie 9r
das Pigment, durch die Leukocyten aus der Zirkulation fortgeschafft werden müssen. au
Binz glaubte früher, daß das Chinin lähmend auf die Leukocyten wirkte. .9'
Die oben besprochene Tätigkeit der Leukocyten als Leichenträger der Parasiten, spricht gegen jene Anschauung.
Theoretisch müßte man, die bekannte Theorie Metschnikoff's über die 9i
Phagocyten als richtig vorausgesetzt, erwarten, daß man durch künstliche Steige- -9
rung der Leukocytose, z. B. Injektion von Spermin, Pilocarpin etc. Heilung von m
Malaria erzielen könnte. Dem ist aber durchaus nicht so.