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Dr. Hans Ziemann.
Körpergewicht durchaus keine Verminderung zu erfahren. Ich sah im Hegen-/193 teil bei gut ernährten Kriegsschiffmatrosen, bei denen Malariaeinflüsse ausgeschlossen )98; waren, trotz recht anstrengenden körperlichen Dienstes in der über wi egen dem9! Mehrzahl eine Zunahme des Körpergewichtes. Vgl. bez. dieses Kapitels besonders nei die ausgezeichnete Arbeit von Ranke.
In ganz außerordentlicher Weise wirkt das Tropenklima auf das
Nervensystem bei hereditär Belasteten und manchmal auch bei bisher völliggillc gesunden Personen. Es kommt infolge der vielen ungewohnten neuen Eindrücke, un- -nr gewohnter Nahrung, häufig auch Alkoholismus und Schlaflosigkeit, bedingt durch die 9ib eigentümlichen Geräusche der tropischen Nacht, durch die furchtbaren Gewitter, oft fto zu schwerer Neurasthenie mit alleu ihren üblen Folgen. Die Konzentration des Willens, \axie die Lust zur Arbeit schwindet, und zügellos gibt der Tropenneurastheniker sich den neb Wallungen seiner momentanen Stimmung hin. Es kommt dann zu jenen Äußerungen 119-31 des sog. Tropenkollers, dem der Europäer erschreckt und verständnislos gegenübersteht/ .Irfo:
Tropische Anämie.
Eine besondere Besprechung erfordert die Frage der sog. tropischen Anämie. i9ini Es galt früher als Tatsache, daß fast sämtliche weiße Bewohner der Tropen, auch in fii 1 malariafreier Gegend, vielfach eine gewisse Blässe des Gesichtes zeigen, welche sxfoi verschiedene Grade aufweisen kann. Nach F. Plehn ist diese Blässe des Gesichts atxh darauf zurückzuführen, daß der Europäer sich ängstlich gegen die Strahlen helx der tropischen Sonne zu schützen sucht, von denen er weiß, daß sie bei latenter ietf Malaria leicht einen Fieberausbruch auslösen können. Er macht auch darauf fuß- aufmerksam , daß gesunde Europäer, die sich viel der Sonne aussetzen, genau i/ßxi so gebräunt sein können, wie in den gemäßigten Breiten. Kohlbrugge erklärt diese 989i Blässe dadurch, daß infolge der großen Feuchtigkeit der Luft und Haut die Epidermis aixxr in einen Zustand der Schwellung geriete, welcher sie weniger durchsichtig mache. ..9il- Daher könnten die Blutgefäße nicht so deutlich hervortreten und würden unsicht- -Ixi- bar. Nach van der Scheer liegt der Grund in der ungleichen Verteilung gnu des Blutes im Körper, indem sich dasselbe hauptsächlich in den inneren Organen neu anstaute, wodurch eine Anämie der Haut entstände! Wahrscheinlich können in xii wechselndem Grade alle erwähnten Erklärungen kombiniert für manche Fälle zu- -ns treffen. Ganz zweifellos sind manche Fälle, welche als sog. Tropenanämien be- -9d zeichnet wurden, auch auf die Wirkung von bis dahin noch nicht diagnostizierten U9J- und schleichend verlaufenden Infektionen durch Trypanosomen, Ankylostomum, ,xnu LEiSHMAN’sche Körper, Darmamöben, Dysenteriebazillen etc. zurückzuführen.
Von F. Plehn, Glogner, Eijkman, van der Scheer, Hammerschlag fanden n&I; auch Untersuchungen statt über das ev. Zustandekommen einer wirklichen, tropi- -iq< sehen Anämie, unabhängig von der Malaria. Es ergab sich dabei, daß das 3 ß Blut des gesunden Europäers in den Tropen genau dieselben Ver- - u c hältnisse bez. des Hämoglobingehaltes, der Zahl der roten Blut- -in kör per, dessp ezifischen Gew ich tsu sw. auf weist, wie in der Heimat, .iß
Verf. konnte das durchaus bestätigen. Speziell war auch bei wirklich ge- i-ep Sunden Chinin-Prophylaktikern in Kamerun keine Spur einer äußerlich wahrnehm- -mx baren Tropen-Anämie festzustellen.
Es ist heutigen Tages gar keine Frage mehr, daß die weiße Rasse, wo. 0w ihr die Besiegung der Malaria gelingt, und wo sie sich frei hält von no Vermischung mit den minder wertigenfarbigen Rassen, Akklimati- - i * sation in den Tropen erreichen kann. Nur tropische Tiefländer xe mit hoher Feuchtigkeit der Luft und sehr geringen monatlichen xie