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Dr. Hans Ziemann.
Malariaparasiten Hei den Neugeborenen malariakranker Mütter sah, wenn auch in der Placenta sich eine enorme Anhäufung von Parasiten finden konnte.
Ich selbst habe während der letzten Dienstperiode in Kamerun diese Frage in 4 Fällen untersucht und ebenfalls niemals im Blute neugeborener Negerkinder, deren Mütter malariakrank waren, Parasiten gefunden.
Eine kongenitale Malaria der Frucht könnte durch die Malariaschizonten der Mutter meines Erachtens nur dann eintreten, wenn vor Geburt des Kindes auf irgend eine Weise Gelegenheit gegeben war, daß das Blut der Mutter mit dem des Kindes sich auf direkte Weise mischte. Ein solcher Fall dürfte aber praktisch nicht in Frage kommen. Es bildet vielmehr die Placenta für die Schizonten eine undurchlässige Barriere.
Ich habe indeß schon an anderer Stelle (Ceutralbl. f. Bakt. 1905, Bd. 38) ausgeführt, daß bei wiederholten Untersuchungen des Blutes von Föten Trypanosomen infizierter Muttertiere niemals Trypanosomen gefunden wurden, auch nicht in Amnionflüssigkeit, selbst wenn es im Blute des Muttertieres von diesen Parasiten wimmelte. Die Malariatoxine der kranken Mutter können natürlich auf den Fötus übergehen und dort pathologische Veränderungen hervorrufen.
Literatur über angeborene Malaria.
1894 Bastianeeei, G., Sulla transmissione dei parasiti della malaria della madre al feto.
Boll. della Soe. Lancisiana degli osped. üi Roma. XII.
1892 Bein, Demonstration von Malariaplasmodien eines Falles v. typ. Wechselfieber. D. med. Wochenschr. Nr. 38 u. 39.
1896 Bignami, A., Sulla questione della malaria congenita. Suppl. al Policlinico.
1858 Duchek, Prager Vierteljahrsschrift. Nr. 4. p. 95. „Uber Intermittens“.
1889 Felkin, II. W., Foetal malaria. as illustrated by two cases. Edinb. med. Journ. June. 1902 Hitte, L., Sur le paludisme congenital. These. Paris.
1902 Peters, L., Malarial fever in infaney, probably maternal in origin. Johns Hopkins
Hospital Bulletins. June.
1903 Sereni, S., Sulla transmissibilitä dei parassiti della malaria dalla madre al feto.
Bollettino d. R. Accad. di medicina di Koma. Fase. 1, 2, 3.
1902 Terburgh, J. F., Kongenitale Malaria. Geneesk. Tijdschr. v. Nederl. Ind. Vol. XLII.
1897 Winseow, K., A case of congenital malaria. Bost. med. and surg. Journ. May 27.
Beziehungen der Malaria zum
Lebensalter. Es ist allgemein bekannt, daß besonders die Kinder zur Malaria disponiert sind. Dieselben schlafen viel und denken dann nicht an Abwehrbewegungen gegen die Anophelinen. Außerdem setzt die zarte kindliche Haut den Anophelesstichen weniger Widerstand entgegen, wie die Haut des Erwachsenen.
Das Geschlecht übt keinen Einfluß auf die Erkrankungen aus. Es kommt eben lediglich auf die Gelegenheit zur Infektion an.
Konstitution. Kräftige, gesunde Individuen setzen den Wirkungen der Malariainfektion einen längeren Widerstand entgegen, als schwache und kranke. Auch dies werden wir noch unten erklären können.
Das Temperament ist ebenfalls von gewisser Bedeutung, indem, wie schon Dempwolff bemerkte, phlegmatisches Temperament eher die Wirkungen der Malaria ertragen läßt wie ein cholerisches, oder sanguinisches. Alle schwächenden Momente wirken auch begünstigend auf das Zustandekommen der klinischen Malariaerscheinungen ein. Dazu gehören Exzesse aller Art und Mangel an Komfort bezüglich Wohnung. Ernährung und Kleidung.