Malaria.
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und Martin ihre klinischen Malariauntersuchnngen. Wir übergehen hier die älteren Arbeiten über den feineren Bau der Malariaparasiten wie die von Celli, Guarnieri und Grassi usw., da ihre Resultate bei der Mangelhaftigkeit der angewandten Methoden nicht allgemeine Anerkennung finden konnten.
1891 untersuchte Romanowsky mit Hilfe der Romano wsKY’schen Färbemethode (vgl. diese) und an der Hand von 6 Fällen gewöhnlicher Tertiana die feinere Struktur der betreffenden Parasiten. Die Kernteilung derselben sollte eine karyo- kinetische sein.
Bezüglich der ursprünglichen, ganz unzuverlässigen RoMANOWSKY’schen Färbung siehe Untersuchungsmethoden. Mannaberg gab mit Hilfe einer anderen, aber komplizierteren Methode weitere wertvolle Details über den feineren Bau der Parasiten, insbesondere über den Kern, konnte aber ebenfalls noch nicht den Kern während der ganzen Entwicklung verfolgen. 1898 gelang dieses dem Verf., mit Hilfe der von ihm brauchbar gemachten RoMANOWSKY’schen Färbung und unter vergleichender Untersuchung zahlreicher Blutparasiten der Warm- und Kaltblüter. Die Lehre von der ungeschlechtlichen Entwicklung der Malariaparasiten gelangte damit zu einem gewissen Abschluß.
Neuere Periode.
Es hatten schon ältere Autoren die Vermutung ausgesprochen, daß die Malaria durch Moskitos übertragen würde, so z. B. Lancisi, eine Vermutung, die auch das Volk in manchen Malariagegenden schon teilte. Die meisten Autoren hatten aber lange Zeit die Anschauung, daß die Malaria durch das Wasser oder die Luft übertragen würde. Über die Form, in der sich die Malariaparasiten außerhalb des Körpers finden, bestanden die verschiedensten Vermutungen. Grassi und Calandruccio vermuteten in Amöben, die sie im Nasenrachenraum von Tauben fanden, die außerhalb des Menschen vorkommende Form der Malariaparasiten. Coronado fand dieselbe sogar freilebend im Sumpfwasser! Mannaberg sprach, die Anschauung Laveran’s über die hohe Bedeutung der Geißelkörper weiter ausführend, 1893 den geistvollen Gedanken aus, daß speziell die Geißelfäden der Geißelkörper die Anpassung der Parasiten an saprophytische Verhältnisse vermittelten, vgl. Taf. XI Fig. 30. Auf Grund biologischer Betrachtungen kam Verf. 1898 zu der Annahme, daß die Parasiten als solche schon in der Außenwelt existierten, indeß in einer Form, welche ihnen ein Ersatz bietet für den Parasitismus innerhalb der roten Blutzellen und zugleich damit einen Schutz gegen äußere Einwirkungen. Diese Möglichkeit wäre gegeben durch Schmarotzen an oder in anderen Lebewesen, die dem Tier- oder Pflanzenreich angehörten. Sobald die Parasiten in den menschlichen Organismus eingedrungen, würden sie nach obiger Annahme frei, wenigstens unter normalen Umständen, da die roten Blutzellen ihnen einen zusagenderen Nährboden darböten.
Bei der Annahme, daß die Parasiten außerhalb des Organismus in einem anderen Organismus schmarotzten, könnte die Infektion selbst auf die mannigfaltigste Weise entstehen, durch Einatmung, Genuß von Wasser, Stiche von Insekten etc. (1. c. S. 90). Frei- lebende, also nicht parasitäre Entwicklungsstadien wurden demnach bereits mit Bestimmtheit ausgeschlossen.
Durch George Nuttall’s kritische und sorgsame Nachforschungen erfuhren wir, daß schon 1883 der Amerikaner King energisch für die Übertragung der Malaria durch Moskitos eingetreten ist. Nach Rüge soll schon damals R. Koch, ohne Kenntnis der KiNG’schen Hypothese, dieselbe Ansicht mündlich ausgesprochen haben. 1884 schließt sich Laveran dieser Ansicht an. 1894 stellt Manson, der bereits die Mücken als die Überträger der Filariakrankheit erwiesen, die These auf, daß die Geißeln der Malariaparasiten Sporen wären. Diese sollten sich innerhalb der Moskitos, welche Malariablut gesogen, umwandeln, ähnlich, wie es die Filariaembryonen täten. Nach dem Tode des Moskitos könnte dann der junge Parasit wieder in eine Moskitolarve eindringen oder in Freiheit gesetzt werden. Der Mensch könnte sich dann durch Trinken von Wasser infizieren, in