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Dr. Max Lühe.
Anhang: Coccidien.
Wie bereits in der historischen Einleitung erwähnt wurde, ist der Ausgangspunkt für das Verständnis des Entwicklungsganges der Malariaparasiten die neuere Coccidien- forschung gewesen, und in der Tat ist die Ähnlichkeit, welche Malariaparasiten und Coccidien in ihrem ganzen Entwicklungsgänge erkennen lassen, eine so grolle, daß es auch heute noch wünschenswert erscheint, bei der Besprechung der im Blute der Wirbeltiere schmarotzenden Protozoen auch die Coccidien zu berücksichtigen. Sind doch mitunter die Malariaparasiten direkt der Ordnung der Coccidien eingereiht worden (Mesnil), und sind doch andererseits gerade die Coccidien so vielfach und gründlich untersucht worden, daß sie überhaupt in der ganzen Protozoenforschung grundlegende Bedeutung gewonnen haben und in den letzten Jahren als die bestbekannte von allen Protozoengruppen bezeichnet werden mußten. Durch den am Anfang des vorigen Jahres erfolgten Anschluß der Malariaforschung an die Trypanosomenforschung haben sich dann allerdings so neue Gesichtspunkte ergeben, daß heute eine Nachuntersuchung der Coccidien dringend wünschenswert erscheint, ohne daß doch bisher die Bedeutung, die die Coccidien für das Verständnis der Entwicklungsweise anderer Protozoengruppen nun einmal gewonnen hatten, eine wesentliche Minderung erfahren hätte.
Charakterisierung der Coccidien : Die Coccidien sind einkernige Zellschmarotzer und zwar vorwiegend Epithelzellschmarotzer, bei denen nur die noch nicht in Zellen eingedrungenen Jugendformen und die reifen männlichen Geschlechtsformen aktiver Bewegung fähig sind und nur die reifen männlichen Geschlechtsformen besondere Bewegungsorgane in Gestalt von Geißeln besitzen. Im erwachsenen Zustande sind sie kugelig oder oval. Ihre Verbreitung von Wirt zu Wirt erfolgt durch „Oocysten“, welche durch eine widerstandsfähige Schale charakterisiert sind und deren Bildung bzw. AVeiterentwicklung die Kopulation sexuell-dimorpher Gameten vorausgeht. Innerhalb dieser Oocysten entstehen durch wiederholte Teilung des AVeichkörpers „Sporozoiten“, welche meist noch zu mehreren in Tochtercysten („Sporocysten“) eingeschlossen sind. Nur bei sehr wenigen Arten wachsen diese Sporozoiten direkt wieder zu Geschlechtsformen aus. In der Regel ist die Entwicklung vielmehr durch einen Generationswechsel kompliziert, indem die Sporozoiten zu ungeschlechtlich und ohne Encystierung sich vermehrenden „Schizoiden“ heranwachsen, deren Teilungsprodukte, die „Alerozoiten“, die Verstärkung der Infektion des bereits befallenen Wirtsindividuums bedingen und erst nach einer Folge von mehreren ungeschlechtlichen Generationen die Geschlechtsformen aus sich hervorgehen lassen.
Vorkommen der Coccidien: Die Coccidien sind weit verbreitet und finden sich nicht nur bei Wirbeltieren aller Klassen (auch beim Menschen sind sie ja, wenn auch nur selten, beobachtet), sondern ebensogut auch bei AVeichtieren und Gliedertieren. Alle Arten schmarotzen während eines Teiles ihres Lebens im Inneren von Zellen und zwar meist von Epithelzellen. Vorzugsweise befallen sind der Darm mit seinen Anhangsorganen (namentlich der Leber) und die Exkretionsorgane.
Pathologie der Coccidieninfektion : Bei einer einzigen, kürzlich von Laveran und Mesnil beschriebenen Coccidienart (Eimeria mitrciria) sollen die intracellulären Stadien, wenn sie nicht etwa im Gegensatz zu allen anderen Coccidien überhaupt fehlen, nur von sehr kurzer Dauer sein. Bei allen anderen Coccidien wird die ganze Wachstumsperiode aller Individuen, die überhaupt eine solche durchmachen und deshalb von Minchin als Trophozoiten zusammengefaßt werden, d. h. der Schizonten und der Gametocyten, vollständig im Innern von Zellen durchlaufen. Aleist schmarotzen die Coccidien im Plasma der Zellen, seltener im Kern. In jedem Falle aber geht die von einem Coccid befallene Zelle unfehlbar zugrunde. An-