Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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Dr. Max Lühe.

reichen kleinen Zellen entspricht dann völlig der früher geschilderten Entwicklung . der Ookineten von Haemoproteus noctuae. Zunächst also erfolgt in jedem Falle eine ungleichpolige Kernteilung. Dann aber schlägt die Entwicklung je nach dem Charakter des ursprünglichen Ookineten verschiedene Bahnen ein. Bei den in­differenten Formen wird von den beiden, bei der eben erwähnten Kernteilung ge­bildeten Kernen der größere zum Hauptkern, der kleinere zu dem den Geißel­apparat erzeugenden Blepharoblasten einer Trypanosomen form. Bei den weiblichen Formen bildet auch hier wieder der kleinere Kern durch wiederholte Teilung mehrere alsbald der Degeneration verfallende kleine Kerne aus, während der größere Kern durch nochmalige ungleichpolige Teilung in den Hauptkern und den Blepharoblasten $| der sich entwickelnden weiblichen Trypanosomenform zerfällt. Bei den männlichen f Formen endlich geht wiederum wie bei Haemoproteus der größere Kern zugrunde, während der kleinere durch wiederholte Teilungen die Kernapparate mehrerer kleiner männlicher Trypanosomenformen aus sich hervorgehen läßt.

Im Gegensatz zu Haemoproteus entstehen also bei Leucocytozoon aus jedem, einzelnen Ookineten eine verhältnismäßig große Zahl von Trypanosomen formen, die unter Hinterlassung eines Restkörpers auseinanderschwärmen (Fig. 42 d). Dement­sprechend sind diese Trypanosomen formen denn auch erheblich kleiner als diejenigen i von Haemoproteus. Ihre feinere Struktur ist daher auch weniger leicht zu erkennen.

Alsbald nach ihrer Loslösung von dem Restkörper des Sporonten erfahren aber diese Entwicklungsstadien von Leucocytozoon noch eine wichtige Veränderung. Ihre Trypanosomenform ist nur eine ganz vorübergehende Erscheinung und durch f eine starke Längsstreckung des Körpers bei gleichzeitiger Ausbildung einer sehr ^ regelmäßigen spiraligen Drehung um eine ideelle Längsachse nehmen sie die typische, j korkzieherartig gewundene Spirochäten form an. p

Diese ganze bisher geschilderte Entwicklung erfolgt im Lumen des Mücken­magens, und wenn ich sie vorhin mit der Sporogonie der Malariaparasiten verglichen Ij habe, so ergibt sich nach jenem Orte der Entwicklung doch ein nicht unwesent-1 licher Unterschied zwischen Leucocytozoon und den Malariaparasiten: Der Sporontl;!; von Leucocytozoon bleibt frei, es kommt nicht zur Bildung einerOocyste, jener 1;: für die Malariaparasiten charakteristischen, den Sporonten umschließenden Cyste in. ||n der Darmwand der Mücke. |

e) Die Spirochiiten-Generationen in der Mücke.

Noch größer ist die Ähnlichkeit mit Haemoproteus noctucie bei den weiteren Schicksalen des Leucocytozoon zienumni. ]

Freilich fehlt die große Ähnlichkeit der weiblichen und männlichen Parasiten] der Mücke mit den Gametocyten, die sich bei Haemoproteus konstatieren läßt. Aber; auch bei Leucocytozoon ziemanni sind die weiblichen Spirochätenformen größer als die indifferenten und durch ein dunkleres Plasma charakterisiert, während die männ-:

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liehen Spirochäten formen ganz erheblich kleiner sind, so klein, daß sie einzeln] kaum noch erkennbar sind. Außerdem sind die weiblichen Formen noch dadurch] gekennzeichnet, daß ihr Kern und Blepharoblast verhältnismäßig klein sind und die] undulierende Membran sich nicht in eine freie Geißel fortsetzt.

Die Vermehrung durch wiederholte Längsteilung entspricht der Vermeil-; rung der ungeschlechtlichen Generationen im Vogelblute und scheint wie bei Haemo -: proteus auf die indifferenten Formen beschränkt zu sein. Infolge vielfach wieder­holter Teilungen findet ähnlich wie bei Haemoproteus eine starke Größenabnahme statt, und hierbei können Individuen entstehen, die so unmeßbar dünn sind, daß sie als Einzelindividuen nicht mehr gesehen werden können, sondern nur noch in