Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 123
Die Übertragung durch den Coitus haben Rabinowitsch und Kempner an- igezweifelt. Daß die ihnen gelungene Übertragung durch Flöhe in dieser Beziehung nichts beweist, wurde bereits auf S. 111 angedeutet. Die Feststellung der genannten Forscher, daß bei Ratten und Kaninchen die Übertragung durch den Coitus nicht stattfindet, vermag aber ebensowenig etwas für die Übertragung der natürlichen Infektion der Pferde und Esel zu beweisen. Die von Rabinowitsch und Kempner für möglich gehaltene Identität von Tryp. equiperdum mit Tryp. brucei halte ich namentlich mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit, den leider noch so wenig bekannten Dourineparasiten auf Wiederkäuer zu übertragen, und auf das Fehlen der Tsetsefliege, des definitiven Wirtes des Naganaparasiten, in der Heimat der Dourine für ausgeschlossen.
6. Trypanozoon (liinorphon (Lav. u. Mesn.).
Von Dutton und Toni) entdeckt als Erreger einer spezifischen Erkrankung der Pferde und von Laveran und Mesnil einem Vorschläge Annett’s zufolge Trypanosoma dimorphon genannt.
Bisher in der englichen Kolonie Gambia (Westafrika) beobachtet.
Zwischenwirt ist das Pferd, welches allein der natürlichen Infektion ausgesetzt zu sein scheint. Künstliche Übertragung ist jedoch auch gelungen bei Impfung von Ratten, Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen, einer Meerkatze und ■(freilich nur einmal bei fünf Versuchen verschiedener Autoren) eines Papio sphinx (E. Geoff.), ferner von Rindern, Ziegen, Schafen und Hunden.
Der definitive Wirt ist unbekannt.
Seinen Namen erhielt der Parasit wegen der verschiedenen Formen, in denen er beobachtet wurde. Dutton und Todd unterscheiden deren drei; von welchen eine im Anfangs-, zwei im Endstadium der Krankheit auftreten.
1. „Kaulquappform“ (tadpole form, forme en tetard). Nach Dutton und Tom) 11—13 fi lang und 0,8—1 y breit. Blepharoblast nur 0,3—0,5 y vor dem Hinterende, freie Geißel kurz oder fehlend. Undulierende Membran schmal. Spärliche chromatophile Granulationen. Vermehrung durch Zweiteilung beobachtet. Im Beginn der Infektion kommt diese Form allein vor, später verschwindet sie mehr und mehr. Es kann sich bei ihr offenbar nur um indifferente Trypanosomen handeln.
Dieser Kaulquappform scheinen die Formen, welche Laveran und Mesnid unterscheiden, beide anzugehören. Wenigstens werden diese Formen nur durch ihre Größe unterschieden als „kleine“ (Länge 10—15 y, Breite 0,7—1,2 y, also annähernd den Angaben von Dutton und Todd entsprechend) und „große“ (Länge im Mittel 22 y, Breite im Mittel 1,5 y). Ausdrücklich wird betont, daß diese kleinen und großen Formen durch Zwischenstufen miteinander verbunden sind und in ihrer Organisation miteinander durchaus übereinstimmen, daß insbesondere den großen Formen eine freie Geißel ebensogut fehle wie den kleinen. Mit Rücksicht auf diesen letzteren Punkt scheint es mir nicht möglich, ■diese „großen“ Formen den „langen“ Formen von Dutton und Todd gleichzusetzen, wozu Laveran und Mesnil geneigt sind.
2. „Lange Form“, 2G—30/« lang und 1,0—2 y breit. Blepharoblast 1,6 bis 3,2 y vor dem Hinterende. Geißel auffällig lang. Auch die undulierende Membran scheint stärker entwickelt zu sein wie bei der Kaulquappenform, wenigstens ist sie auf den Abbildungen stärker geschlängelt. Infolge^dieser starken Entwicklung des Geißelapparates ist auch die Bewegung im frischen Blute besonders lebhaft. Vermehrung durch Zweiteilung auch hier beobachtet. Diese Form wurde in der Regel erst wenige Tage vor dem Tode des Wirtes in größerer Häufigkeit beobachtet. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, daß sie die männliche Form des Parasiten darstellt, doch wäre eine derartige Deutung zurzeit noch durchaus hypothetisch.
3. „Stumpfe Form“ (stumpy form, form tronquee), durch Kürze und Dicke ausgezeichnet. Länge 16—19 y, Breite 3,4—3,5 y. Blepharoblast gewöhnlich dicht