Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
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122
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Di-. Max Lühe.

Tsetsefliege einen bestimmten, noch der Aufklärung harrenden Teil ihres Zeugungs- kreises durchmachen. Eine Bestätigung dieser bereits früher von Sambon, Sander und mir selbst vertretenen Auffassung liefert die neuerdings publizierte Beobachtung einer Vermehrung des nahe verwandten Tryp. yambiense im Magen der Tsetsefliege {vgl. S. 116) und tatsächliche Beobachtungen über die Entwicklungsvorgänge, welche im Magen der Tsetsefliege Tryp. brucei selbst durchmacht, scheint Zeitungs­nachrichten zufolge R. Koch während seines jetzigen Aufenthaltes in Ostafrika ge­macht zu haben. Bruce hat sich noch in seiner letzten Publikation über die Tsetse­krankheit darauf beschränkt, festzustellen, daß er bei Untersuchung einiger hundert Tsetsefliegen, die verschieden lange vorher tsetsekranke Tiere gestochen hatten, niemals von der Trypanosomenform abweichende (kugelige oder geißellose) Ent­wicklungsstadien des Tryp. brucei gefunden habe, daß er aber auch keinen Anhalts­punkt gefunden habe zu der Annahme, die Parasiten könnten aus dem Darmkanal in die umgebenden Gewebe auswandern. So hypothetisch aber hiernach diese An­nahme auch ist, mit Rücksicht auf Beobachtungen bei anderen Blutparasiten (auch bei Trypanozoen, vgl. S. 110 und 117) muß sie gleichwohl als berechtigt anerkannt werden. Lebende Trypanosomen hat Bruce noch am fünften Tage nach der Infek­tion im Magen der Tsetsefliege gefunden, wenn auch noch unverdaute Blutreste vor­handen waren, niemals aber auch noch am sechsten Tage.

5. Trypanozoon equiperdum (Dorr,.).

Syn.: Trypanosoma equiperdum Dofl., Trypanosoma rougeti Lav. u. Mesn.

Von Buffard und Schneider als Erreger der Dourine (Beschälkrankheit. Zuchtlähme der Pferde) erkannt.

Zwischen wirte sind Pferd und Esel. Natürliche Infektion anderer Tiere scheint nicht vorzukommen oder ist jedenfalls bisher nicht bekannt. Künstliche In­fektion durch Impfung ist gelungen bei Hund und Kaninchen, sowie weniger sicher auch bei Ratten und Mäusen, aber nicht bei Wiederkäuern.

Der definitive Wirt dieser Art scheint ausgefallen, ihr Lebenslauf auf den Zwischenwirt beschränkt zu sein (Übertragung beim Coitus).

Verbreitet in Nordwestafrika. Ähnliche Trypanosomen anscheinend auch auf Sumatra (de Does) und in Indien (Lingard); eine Beschälkrankheit der Pferde ohne Nachweis der Trypanosomen in verschiedenen Gegenden Europas (namentlich Ungarn), Nordamerikas (Nebraska, Wyoming, Siiddakota) und Chiles.

Von morphologischen Eigentümlichkeiten kann nur folgendes ange­führt werden: Tryp. equiperdum ist nach Laveran und Mesnil 2528 y lang, also etwas kürzer als Tryp. brucei , und ebenso auch etwas schmäler als dieses. Von irgendwelchen Differenzen zwischen verschiedenen Trypanosomenformen (indifferenten, männlichen, weiblichen) ist nichts bekannt. Form des Hinterendes, Lage von Blepharo- blast und Kern, Ausbildung des Geißelapparates ähnlich wie bei Tryp. brucei. Das Protoplasma färbt sich nach Laveran und Mesnil ähnlich wie bei Tryp. leivisi ziemlich gleichmäßig blau und weniger lebhaft wie bei Tryp. brucei und anderen pathogenen Arten. Chromatophile Granulationen wurden im Gegensatz zu Tryp. brucei im Plasma nie beobachtet, wohl aber mitunter eine ähnliche Vakuole im Hinterende wie bei Tryp. yambiense.

Bewegung ähnlich wie bei Tryp. brucei. d. h. lebhafte Schlängelung ohne merkliche Ortsbewegung.

Die Vermehrung erfolgt in gewöhnlicher Weise durch Zweiteilung. Rabinowitsch und Kempner haben daneben aber auch einemultiple Teilung beobachtet, die derjenigen von Tryp. leicisi ähnlich, aber seltener war. Weiteres über die Entwicklung ist nicht bekannt.