Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
105
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Die im .Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten. 105

Von den nachstehend einzeln besprochenen Arten scheint Tryp. tlieileri verhältnis­mäßig isoliert zu stehen, während die übrigen weniger bekannten Arten sich z. T. an Tryp. leivisi, z. T. dagegen an Tryp. yambiense und Tryp. brucei anzuschließen scheinen. Für nicht ausgeschlossen halte ich es, daß diese drei Gruppen von Säugetiertrypanosomen sich in Zukunft sogar als drei verschiedene Gattungen erweisen werden. Zurzeit reichen aber unsere Kenntnisse zu einer so weit gehenden Teilung noch nicht aus.

1. Trypanozoon letrist (Kent).

Die am besten bekannte Art von allen Säugertrypanosomen ist dank den Unter­suchungen Prowazeks heute wieder das gewöhnliche Rattentrypanosom, Trypanozoon lewisi, dieselbe Art, die überhaupt von allen Trypanosomen zuerst genauer untersucht worden ist (von Rabinowitsch und Kempner), deren Erforschung aber in den letzten Jahren, nachdem einmal die Bahn gebrochen war, von den Untersuchungen über den praktisch so sehr viel wichtigeren Erreger der afrikanischen Tsetsekrankheit über­flügelt schien.

Synonymie: Herpetomonas lewisi Kent 1880. Trichomonas leivisi Crookshank 1886. Trypanomonas lewisi Labb£ 1891. Trypanosoma lewisi autt. Trypanosoma (Herpetosoma) lewisi Dofl. 1901. Trypanosoma sanyuinis Kanthak, Dürham und Blandford 1898, nec Gruby 1843. Trypanosoma rattorum Börner 1901. Trypanomonas murium Danil. 1889 ist, wie so viele ähnliche DANiLEwSKYsche Bezeichnungen für die verschiedenen Ent­wicklungsstadien von Blutparasiten kein Name im Sinne der systematischen Zoologie.

Trypanozoon lewisi kommt fast nur im Blute von Ratten.(Untergattung 1 Epimys der Gattung Mus) vor.

Gefunden ist es bisher bei Mus (Epimys) norvegicus Erxl. (der Wanderratte, bekannter unter dem Namen Mus decumanus Pall.), bei Mus (Epimys) rattus L. und bei Mus (Epimys) rufescens Gray. Wahrscheinlich werden aber diese drei Arten nicht die einzigen von all den 225 zurzeit unterschiedenen Epimys -Arten sein, bei denen der Parasit vorkommt. Auch die gewöhnliche Annahme, daß Tryp. leivisi ausschließlich in Ratten zu lebeu vermöge, ist etwas zu weitgehend. Jedenfalls haben Laveran u. Mesnil sowie mehrere andere Autoren es durch Impfung auf Meerschweinchen übertragen, wenn­gleich die Infektion nur schwach war und rasch vorüberging. Ebenso scheint Lingarh seine Übertragung auf Nesokia bengalensis Gray var. kok Gray (= V. providens Elliott) gelungen zu sein. Danach könnten mit Tryp. lewisi dann auch Trypanosomen identisch sein, welche Lingard im Bandikot, Nesokia bandicota Bechst., gefunden hat und die in Übereinstimmung mit dem Rattentrypanosom zwar auf Meerschweinchen, aber nicht auf Maultier, Esel und Kaninchen übertragbar waren. Auf andere Tiere als die genannten, ist nämlich die Übertragung des Rattentrypanosoms noch nie gelungen, nicht einmal auf Mäuse. Wohl aber sind umgekehrt andere Trypanosomen auf Ratten übertragbar und zwar nicht nur experimentell, sondern auch in der freien Natur.

Seine geographische Verbreitung scheint wie die von Mus norvegicus und Mus rattus eine kosmopolitische zu sein, sein Auftreten ist ein ausgesprochener­maßen herdweises.

Das Rattentrypanosom ist bisher in lokal wechselnder Häufigkeit gefunden:

1. in Asien: von Lewis in Calcutta und Simla, von Carter und Lingard in Bombay, von Penning auf Java, von Musgrave und Clegg in Manila, von Kitasato in Japan.

2. in Europa: von Danilewsky und Chalachnikow in Südrußland, von Tarta- kowsky in St. Petersburg, von Byloff in Graz, von Prowazek in Ratten aus Triest (in Rovigno hat Prowazek es ebensowenig gefunden wie früher Grassi in Rovellasca in Italien), von Rabinowitsch u. Kempner und von "anderen in Berlin, von Schoo in Krom- menie (Holland), von Crookshank in London, von Mc Weeney in Dublin, von Laveran und Mesnil in Paris, von Railliet in Alfort, von Calmkttf, in Lille, von Buard in Bordeaux.