Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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Die im Blute schmarotzenden Protozoen und ihre nächsten Verwandten.

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Die weitere Verwertung der durch diese epochemachende Entdeckung gelieferten Gesichtspunkte ist Aufgabe der gegenwärtigen Forschung. Es sei deshalb zum Schluß dieser summarischen Übersicht nur noch darauf hingewiesen, daß mit der Erforschung des Wirts- und Generationswechsels der im Blute von Kaltblütern schmarotzenden Pro­tozoen durch Siegel, Schaudinn, Billet, Brumpt, Keysselitz und Läger der Anfang gemacht ist, und daß ganz neuerdings auch bereits die Aufklärung des Generations­wechsels der Säugetiertrypanosomen beginnt mit den Untersuchungen Prowazeks über das Rattentrypanosom und denen der englischen Sleeping Sickness Commission über das Trypanosom des Menschen. Kur kurz hingewiesen kann hier auch werden auf die neuesten Entdeckungen von Blutprotozoen oder ihnen ähnlicher Parasiten bei Krankheiten von bisher unbekannter Ätiologie: auf die Spirochäten beim afrikanisch enZeckenfieber und bei der Syphilis und auf die LEisHMAN-DoNOVANschen Körperchen bei der sog. Malariakachexie, dem Kala-Azar bez. der tropischen Splenomegalie, so­wie die ihnen ähnlichen Parasiten bei der endemischen Beulenkrankheit. Mehr und mehr weitet sich das Gebiet der pathologisch wichtigen Protozoen, und trotz der glänzenden Entdeckungen, welche die Malariaforschung an der Wende des Jahrhunderts gezeitigt hat, können wir uns der Erkenntnis nicht verschließen, daß unser Wissen über die Protozoen, die dem Menschen selbst und seinen Haustieren Gefahren bringen, offenbar noch ziemlich am Anfang steht.

Allgemeines über Systematik, Bau imd Entwicklung der im Blute schmarotzenden Protozoen.

Die im Blute der Wirbeltiere lebenden Protozoen bilden nicht nur eine biologische Einheit, es gewinnt vielmehr neuerdings den Anschein, als ob sie im Gegensatz zu der bisherigen zoologischen Auffassung auch einer systematischen Einheit angehören, wenig­stens ihrer überwiegenden Mehrzahl nach. Bisher wird freilich noch stets ein Teil von ihnen den Sporozoen, ein anderer den Flagellaten zugezählt. Auf die Dauer wird sich aber diese Teilung in der bisherigen Weise nicht aufrecht erhalten lassen. Die Einteilung der plasmodromen Protozoen (d. h. der Protozoen nach Ausschluß der Infusorien) in Rhizopoden, Flagellaten (oder Mastigophoren) und Sporozoen ist zwar in Ermanglung einer besseren noch unentbehrlich, als natürlich aber kann sie nicht gelten. Während die Klassen der Rhizopoden und Flagellaten durch die Art ihrer Bewegungen (mit Hilfe von Pseudopodien oder Geißeln) charakterisiert werden, erfolgt die Kennzeichnung der Sporozoen in ganz anderer Weise, durch den Parasitismus und die von ihm bedingten Rückbildungserscheinungen und durch die Vermehrung mittels zahlreicher beschälter Fortpflanzungskörper (vgl. z. B. Doflein). Diese Unterscheidung ist aber unzureichend. Ich erinnere nur daran, daß die allgemein als Sporozoen anerkannten Malariaparasiten keine beschälten Fortpflanzungskörper bilden, daß solche aber ebenso w T ie gewisse durch Parasitismus bedingte Rückbildungen (z. B. Fehlen einer kontraktilen Vakuole) bei der Dysenterieamöbe des Menschen (Entamoeba histolytica Schaudinn) Vorkommen, obwohl deren Zugehörigkeit zu den Rhizopoden noch von niemand angezweifelt ist. Ohne mich hier weiter auf eine kritische Besprechung des derzeitigen Systems der Protozoen ein­lassen zu können, beschränke ich mich auf die Feststellung, daß eine befriedigende all­gemeine Definition der Sporozoen sich zurzeit nicht geben läßt, während andererseits bereits vor mehreren Jahren von verschiedenen Seiten betont worden ist, daß ein Teil der Sporozoen (und zwar die als Cytosporidien oder Telosporidien zusammengefaßten Gregarinen, Coccidien und Hämosporidien) verwandtschaftliche Beziehungen zu den Flagellaten erkennen läßt, ein anderer Teil (die Myxosporidien) dagegen nur von Rhi­zopoden abgeleitet werden kann. Die Untersuchungen der letzten Jahre haben nun die Beziehungen der Telosporidien zu gewissen Flagellaten immer enger geknüpft. Kicht nur gewähren geißellose Entwicklungsstadien von Flagellaten, die im Darm von Insekten schmarotzen (vgl. S. 79), die Möglichkeit, die Gregarinen von Flagellaten abzuleiten, sondern, was für das hier behandelte Thema wichtiger ist, die im Blute schmarotzenden Flagellaten (Trypanosomen) und die ebendort schmarotzenden Sporozoen (Malariaparasiten) scheinen Anfang und Ende einer durch Übergänge verbundenen Reihe zu bilden. Zwischen