Die ^übliche Herstellung von Bluttrockenpräparaten und deren Färbung nach einer der zahlreichen Modifikationen der erst durch Ziemann brauchbar gemachten sogenannten RoMANOWSKY-Färbung (nach Laveran, Nocht. Giemsa usw.) ist so bequem und gibt (wenigstens vielfach) so schöne Bilder, daß es begreiflich erscheint, wenn diese Methode bei Blutuntersuchungen im Vordergründe steht. Ich muß aber davor warnen, sich zu ausschließlich auf sie zu verlassen. Je größer und je wasserreicher der zu untersuchende Blutparasit ist, um so mehr wird seine Gestalt beim Trocknen verändert, In manchen Fällen können auf diese Weise direkte Zerrbilder entstehen (z. B. bei gewissen Stadien der Hämogregarinen aus Schildkröten und der Trypanoplasmen aus unseren Süßwasserfischen, z. T. auch bei Trypanosoma theileri). Ich kann daher nicht dringend genug empfehlen, in allen Fällen, wo Zeit und Gelegenheit es gestatten, sich nicht nur auf solche Trockenpräparate zu verlassen, sondern
1. die Parasiten lebend zu untersuchen und
2. Blutausstriche feucht zu konservieren (am besten mit heißem Sublimatalkohol) und bis zum Einschluß in Kanadabalsam oder Immersionsöl feucht weiterzubehandeln. Zur Färbung eignet sich in diesem Falle am besten
a) Hämatoxylin in starker Verdünnung bei entsprechend langer Einwirkungsdauer, wenn Kernfärbung gewünscht wird;
b) Eisenhämatoxylin nach Heidenhain dagegen, wenn die feineren Strukturverhältnisse des Plasmas-dargestellt werden sollen. Die Dauer der Beizung mit dem Eisenalaun ist hierbei ebenso wie die Dauer der nachfolgenden Färbung je nach dem Objekt auszuprobieren. Ich habe im allgemeinen bei langer Beizung und entsprechend langer Färbung (je ca. 24 Stunden) die besten Resultate erzielt.
Bezüglich aller weiteren Details der Untersuchungsmethoden verweise ich, wie gesagt, auf das Kapitel über Malaria.
Historisches.
Die erste Beobachtung eines im Blute schmarotzenden Protozoons (und zwar eines flagellaten Blutparasiten 1 ) aus Salmo fario ) hat Valentin 1841 gemacht und bereits die beiden nächsten Jahre brachten mehrere Arbeiten über ähnliche Parasiten des Froschblutes, für welche von Gruby 1843 die Gattung Trypanosoma geschaffen wird.
Nach Blanchard sind auch die Malariaparasiten des Menschen bereits im Jahre 1843 von einem deutschen Forscher, P. F. H. Klencke, gesehen und beschrieben worden. Indessen erscheint diese Deutung doch noch nicht ganz zweifelfrei und die erste sichere Schilderung von Parasiten, die später zu den Hämosporidien gerechnet wurden, rührt daher von Chaussat her, der die betreffenden, wiederum im Froschblut gefundenen Protozoen, die heutige Lankesterella minima , freilich noch zur Nematodengattung Anguillula rechnete.
Bis zum Jahre 1873 folgen dann nur eine Reihe vereinzelter, wesentliche Fortschritte kaum mit sich bringender Arbeiten. In dem genannten Jahre aber erfolgte # die epochemachende Entdeckung der Rekurrensspirochaeten durch Obermeier. Die Zugehörigkeit dieser Parasiten zu den Protozoen ist freilich erst in allerneuester Zeit erkannt worden. Die Hauptbedeutung der OBERMEiER’schen Entdeckung lag aber auch darin, daß mit ihr zum ersten Male bei einer Krankheit des Menschen ein Contagium animatum nachgewiesen wurde. Dadurch wurde sie nicht nur grundlegend für die Entwicklung •der Bakteriologie, sondern bildete auch die Grundlage für das richtige Verständnis der im Jahre 1880 entdeckten Surra- und Malariaparasiten. Wurde doch sogar der von Evans entdeckte und von Steel zu Ehren seines Entdeckers benannte Surraparasit anfänglich gleich dem Rekurrensparasiten zur Gattung Spirochaete gestellt und erst später den Trypanosomen eingereiht.
Die durch eine Abbildung erläuterte Beschreibung Valentin’s ist meines Wissens bisher stets auf einen eingeißeligen Blutflagellaten, d. h. auf ein Trypanosom bezogen worden. Es kann sich aber ebensogut auch um ein Trypanoplasma gehandelt haben. Soweit ich die Literatur kenne, sind seitdem Blutprotozoen bei der Bachforelle nie wieder ^gefunden worden.