Tropische Leberkrankheiten.
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Aus Futcher’9 Zusammenstellung ergibt sich, daß von 118 Fällen von Amöbeninfektion mit oder ohne Komplikation von seiten der Leber 27 d. i. 22,2 % tödlich endeten. Von 28 Fällen mit Leberabszeß aus dieser Reihe trat bei 22 der Tod während des Aufenthalts im Hospital ein, von den anderen trat bei 3 während der Behandlung im Hospital Durchbruch des Abszesses in die Lunge ein. Die Kranken wurden ungeheilt entlassen, ihr ferneres Geschick ist unbekannt. Die übrigen 3 wurden nach erfolgreicher Operation entlassen, aber auch über ihr späteres Befinden liegt keine Mitteilung vor. Operiert wurden im ganzen 16 Kranke.
Aber auch nach allen anderen Berichten ist die Sterblichkeit hoch.
So fand Rouis, daß von 203 Fällen 162, also 80 %. starben, vorwiegend erlagen diese der Schwere der örtlichen Erkrankung, aber auch verschiedenen Komplikationen. Oastko verzeichnet in Ägypten 93 Todesfälle auf 128 Erkrankungen d. i. 72,5%. Der viel niedrigere Prozentsatz des tödlichen Ausgangs, welchen Morehead und Fayrer aus der indischen Statistik berechnen, erklärt sich wahrscheinlich durch die Tatsache, daß dieselben alle Arten von Leberaffektionen, sogar Cirrhosis, in ihre Gesamtziffer mit aufnehmen. Manson gibt einen statistischen Bericht über die indische Armee für die Jahre 1891 bis 1894, worin die Sterblichkeit an Leberabszeß sich auf 57,7% beläuft. Ar£ne und Legrand berechnen für ^eucaledonien einen Prozentsatz von 31%, Däubder kommt nach der niederländisch-indischen Statistik zu einer Sterblichkeitsziffer von 15,3 — 19%.
Die Vorhersage im einzelnen Falle hängt besonders von dem Allgemeinbefinden des Kranken, von seiner Widerstandskraft, von Lage, Sitz und Entwicklung des Abszesses und von der Ausdehnung und Schwere der Komplikationen ab. Natürlich wird ein durch lange dauernde, die Kräfte erschöpfende Dysenterie geschwächter Mensch viel weniger imstande sein, den Schädigungen eines sich entwickelnden Leberabszesses Widerstand zu leisten, als jemand, bei dem der Abszeß erst zugleich mit oder bald nach dem Auftreten der Ruhr sich bildet oder bei dem die dysenterischen Erscheinungen nur leicht sind. Spontandurchbruch durch die äußere Haut ist ein günstiger Ausgang. Auch in bezug auf die Entleerung des Eiters durch die Lunge sind wir zu der Überzeugung gekommen, daß dieser Weg vielleicht auch keine schlechten Aussichten auf Wiederherstellung bietet. Natürlich besteht der empfehlenswerteste Eingriff in der Nachahmung dieser natürlichen Ausgänge durch die operative Eröffnung des Abszesses mit Drainage, aber selbst nach glücklicher Durchführung dieser Operation ist die Sterblichkeit noch groß.
Prophylaxe.
Eber die Verhütung des Leberabszesses braucht nur wenig gesagt zu werden. Aus der Ätiologie der Krankheit ergeben sich schon die zur Verminderung der Infektion beim Aufenthalt in warmen Ländern nötigen Vorsichtsmaßregeln, unter welchen naturgemäß die Beschaffung guten Trinkwassers und sorgfältige Reinigung aller rohen Früchte und Gemüse vor dem Genüsse die wichtigsten sind. Dieselbe Vorsicht muß bei der Benutzung von möglicherweise infiziertem Küchengerät, Messern, Gabeln usw. beachtet werden. Auch muß der Möglichkeit gedacht werden, daß durch den Gebrauch von Kanülen, Mundstücken usw. von Klystierspritzen u. dgl., welche vorher von Kranken benutzt worden sind, die Ansteckung anderer Menschen stattfinden kann. (Vgl. Prophylaxe der Amöbenruhr S. 21.)
Bei Erkrankung an Dysenterie ist die sorgfältigste Behandlung von Wichtigkeit und darf nicht eher aufhören, als die Heilung zweifellos feststeht. Mäßigkeit in der Ernährung und im Alkoholgenuß hat den Vorzug, die Leber gegen die Amöbeninvasion widerstandsfähiger zu machen. Die Rückkehr des Kranken in ein gemäßigtes Klima kann sehr günstig wirken, es liegen jedoch auch zahlreiche Beispiele vor, daß eine solche Heimreise infolge der Veränderung in der Lebertätigkeit, welche das