Teil eines Werkes 
Bd. 3 (1906)
Entstehung
Seite
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W. Gr. Mac Callum.

von Dysenterie in Japan und auf den Philippinen, worauf wir noch zurück­kommen werden, ist diese Tatsache von großer Bedeutung.

Aus Luzon berichtet Strong 14 Fälle von Leberabszeß in 19 Fällen von Amöbendysenterie, keinen aber bei der bazillären Form. Auf Sumatra, Java, Borneo und den anderen Sundainseln ist die Krankheit endemisch.

Besonders häufig ist nach Hirsch der Leberabszeß auf den ostafrika­nischen Inseln Mauritius und Madagaskar, und von Nubien, Ägypten und Algier wissen wir aus den Arbeiten zahlreicher Autoren, daß diese Länder reich­liches Material liefern.

ln Südamerika herrscht die Krankheit besonders in Chile und in den Wald- und Küstengegenden von Peru. In Venezuela soll die Sterblichkeit an Leberabszeß in einem Orte, Merida, die erstaunliche Höhe von 50 % aller Todesfälle erreichen! Centralamerika und die Küsten des Golfes von Mexiko sind bis zu den nördlichen Gestaden desselben nicht davon frei.

Weiter nördlich in dem südlichen Teile der Vereinigten Staaten beob­achtet man keineswegs selten vereinzelte Fälle. Von 18891903 kamen im Johns Hopkins Hospital in Baltimore 28 Fälle zur Behandlung und nordwärts bis nach Cleveland hinauf wurden aus verschiedenen Städten Erkrankungen gemeldet. Wahrscheinlich haben aber die dortigen Kranken sich die Infektion aus niederen Breiten geholt.

In Europa scheint es keine endemischen Heerde zu geben, die Krankheit ist vorwiegend auf die Nordküste des Mittelmeeres beschränkt, denn einzelne Fälle kommen in Italien, Griechenland, Rumänien, Bosnien, Südrußland und im Kaukasus vor.

Geschichte.

Der Begriff Hepatitis nach Auffassung der Alten scheint alle schmerzhaften Affektionen der Lebergegend umfaßt zu haben, gewiß sind auch oft genug die Er­krankungen von Nachbarorganen mit dazugerechnet worden. Aber schon zu Hippo- krates Zeiten eröffnete man Leberabszesse, welche der äußeren Haut nahe lagen. Galen erkannte schon den Zusammenhang zwischen Leberabszeß und Dysenterie und stellte einmal wegen des Vorhandenseins eines Leberabszesses die Diagnose Dysenterie, wodurch er sich mit Ruhm bedeckte. Celsus und andere Schriftsteller kannten das Krankheitsbild gleichfalls, aber erst mit den Obduktionen Morgagni's wurde über die pathologische Anatomie etwas Näheres bekannt.

Später boten die zahlreichen Kolonialkriege und die politischen Umwälzungen, welche zur Besiedlung tropischer Länder durch Europäer, unter denen zahlreiche wissensdurstige Ärzte waren, führten, reiche Gelegenheit zum Studium der Krank­heit. Wir finden im 19. Jahrhundert eine fast ununterbrochene Reihe von Veröffent­lichungen meistens von englischen und französischen Verfassern, welche diesen Gegenstand behandeln.

Sehr früh machten Lind, Pkingle und andere die Beobachtung, daß eine Art untrennbarer Beziehung zwischen Leberabszeß und Ruhr besteht. Auch Larrey stellte schon zu Anfang des verflossenen Jahrhunderts, während des ägyptischen Feldzuges, Beobachtungen über diese krankhaften Vorgänge in der Leber an, für welche er allerdings weniger die Dysenterie als die Hitze und die unvernünftige Lebensweise verantwortlich machte.

Ebenso begannen schon früh englische Ärzte in Indien über den Gegenstand zu schreiben. So verfocht Annesley den Gedanken, daß Leberabszeß und Dysenterie zwar zusammen aufträten, daß aber die Bildung eines Leberabszesses der Ruhr vorher­gehen könnte und daß man deswegen solche Fälle als Dysenterie hepatischen Ursprungs ansehen müßte, hervorgerufen durch den Erguß von verschiedenen der Galle beigemengten