Tropische Leberkrankheiten.
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während einer langjährigen Tätigkeit in den Krankenhäusern Algeriens nicht einen einzigen Fall von Leberhyperämie, sei es akut oder chronisch, beobachtet, wo nicht ein anderer pathologischer Zustand, wie Malaria, Dysenterie oder Pneumonie zur Erklärung Vorgelegen hätte.
F. Plehn sieht die Störung der Lebertätigkeit in den Tropen als unbewiesen an. Nach seinen in Kamerun gemachten Beobachtungen waren Leberaffektionen dort relativ selten, so daß er bezweifelt, daß die Leber durch das Klima in irgend einer besonderen Weise beeinflußt wird, und annimmt, daß nur wie bei anderen Organen, Magen, Darmkanal usw., eine verminderte Widerstandsfähigkeit eintritt (Scheube).
Mit Sicherheit kann aus allen diesen Angaben mangels einer größeren Zahl von genauen Beobachtungen wenig gefolgert werden. Gleichwohl erscheint es zwar wahrscheinlich genug, daß die Leber durch die unsinnige Lebensweise mancher europäischen Tropenbewohner übermäßig in Anspruch genommen wird, aber es ist' sehr unwahrscheinlich, daß auf einer solchen Basis eine Krankheit wie die eiterige Leberentzündung sich entwickeln kann ohne das Hin zu treten eines spezifischen infektiösen Agens, der Amöben.
Tropischer Leberabszefs.
Bezeichnungeu der Krankheit: Lateinisch: Hepatitis suppurativa s. circumscripta vera. Französisch: Absces du foie, Hepatite suppuree. Englisch: Hepatic Abscess, Amoebic Abscess of liver. Italienisch: Epatite suppurativa.
Viel besser definiert als die Leberhyperämie ist die Erkrankung der Leber, bei welcher wirkliche Zerstörung von Lebergewebe zur Bildung des sogeuannten tropischen Leberabszesses führt. Bei Besprechung dieses Leidens müssen wir alle Abszesse außer acht lassen, welche gleichmäßig in allen Klimaten in der Leber Vorkommen und welche mit Sicherheit auf die Einschleppung wohlbekannter und bestimmter Organismen von anderen Eiterherden in die Leber zurückzuführen sind, ferner solche, welche, wie ein kürzlich von Harris beschriebener Fall, nur der Ausdruck einer allgemeinen, durch bestimmte Mikroorganismen (z. B. Bacillus mortiferus in dem HARRis’schen Falle) hervorgerufenen Septikämie sind. Suppurative Vorgänge, welche durch Verschluß und Infektion der Gallenwege, durch Ecliiuo- kokkencysten oder durch unmittelbare Verletzungen entstehen, übergehen wir ebenfalls, da dieselben keineswegs charakteristische Tropenkrankheiten sind.
Es kommt aber in den warmen Ländern eine besondere Entzündung mit Ausgang in Abszeßbildung der Leber vor, welche schon lange Zeit Gegenstand eifrigen Studiums seitens der in jenen Gegenden tätigen Arzte gewesen ist.
Geographische Verbreitung.
Die Angaben von Hirsch über die Verbreitung des Leberabszesses auf der Erde können auch heute noch als gültig angesehen werden. Dieselbe fällt im allgemeinen, wenn auch nicht ganz genau, mit der der tropischen Ruhr (Dysenterie) zusammen (s. Bd. II S. 222 u. f.). Hirsch stellt fest, daß in Vorderindien in der Präsidentschaft Madras bei weitem die meisten Fälle Vorkommen. Viel weniger häufig ist die Krankheit in den Präsidentschaften Bombay und Bengalen. In Ceylon, Birmah, Cochin- chin a, China und Japan sind die Leberabzesse trotz häufigen Vorkommens doch seltener als in erstgenannten Ländern. Angesichts der großen Verbreitung bestimmter, nach Shiga und Strong durch einen Bazillus hervorgerufenen Arten