Tsingtau.
Wir haben im ersten Kapitel dieser Studien Gelegenheit gehabt, den Zusammenhang der Dinge zu streifen, durch den wir zum Kiautschougebiet und zur Gründung von Tsingtau gekommen sind. Mit Rücksicht auf die grundlegende Wichtigkeit dieser Frage für die Beurteilung unserer eigenen Stellung in Ostasien, wie für die frühere und gegenwärtige Politik der übrigen Mächte sei noch einmal kurz daran erinnert.
Nach dem chinesisch-japanischen Kriege von 1894 stand man in Europa vor der Frage, ob China den japanischen Absichten überlassen werden solle oder nicht. Japans Idee war, gestützt auf den Besitz der eroberten Liautunghalbinsel mit Port Arthur, auf das voraussichtliche Protektorat über Korea, das ihm auf die Dauer nicht mehr vorenthalten werden konnte, sobald es die Stellung in der Süd-Mandschurei besaß, und schließlich auf eine ins Leben zu rufende chinesisch-japanische Partei (ihre Ansätze waren bereits vorhanden), seine politische und ökonomische Vorherrschaft in China zu verwirklichen. Von vornherein erschien es nicht unwahrscheinlich, daß es zu großen inneren Unruhen kommen würde, in deren Verlauf die Mandschudynastie in eine kritische Lage geraten konnte. Dann ergab sich für die japanische Politik die Wahl zwischen der Unterstützung der Mandschus oder der Prätendenten. Vermutlich hätte man das letztere vorgezogen, und japanische Waffenhilfe für einen nationalchinesischen Aufstand hätte dann die vorläufige Stationierung japanischer Truppen in China, japanischen Einfluß auf das Kommando der chinesischen Armee, politische und wirtschaftliche Sonderkonzessionen, vorherrschenden Einfluß auf das chinesische Bildungswesen usw. nach sich gezogen. Dieser Eventualität gegen-