Vorwort.
Die nachstehenden Blätter enthalten im wesentlichen einen Sonderabdruck meines im Sommer des vorigen Jahres aus China an die Preußischen Jahrbücher geschriebenen Studienberichts. Die Anordnung des Stoffes ist indessen an manchen Stellen eine andere als in den Jahrbüchern, und außerdem ist durchgehends die weitere Entwicklung der Verhältnisse während des letzten halben Jahres, speziell der soeben dem Reichstag vorgelegte Jahresbericht des Reichsmarineamts über Tsingtau, berücksichtigt.
In China ist währenddessen das Ereignis des Thronwechsels vom November 1908 eingetreten, und bald darauf die Entlassung Juanschikais, der, ohne den Titel zu haben, in der auswärtigen Politik Chinas während der letzten Jahre etwa die Stellung und den Einfluß eines Staatskanzlers besaß. Juanschikai erscheint, soweit dem Abendländer überhaupt ein Urteil über chinesische Dinge möglich ist, als der bedeutendste Staatsmann Chinas nach dein Tode Lihungtschangs. Er ist gebildet, vorurteilsfrei, besonnen, reformfreundlich und besitzt eine richtige Vorstellung vom Verhältnis der Großmächte untereinander und von der natürlichen Aufgabe Chinas gegenüber dem Spiel der westlichen Interessen. Warum er entfernt ist, läßt sich nur ganz in den Grundzügen vermuten. Elmar der Vertrauensmann der verstorbenen Regentin, deren letzte stnatsmännische Tat es wahrscheinlich gewesen ist, daß sie den unvermögenden und haltlosen Kaiser Kuang Hsü einen Tag früher sterben ließ, als sie selbst aus dieser Welt scheiden mußte. Die Geschichte der Regentin Tsi Hi ist noch nicht geschrieben. Jedenfalls war sie eine der kraftvollsten Persönlichkeiten der chinesischen Geschichte, und das künftige Urteil über sie wird wohl dahin lauten, daß sie bei mancherlei Fehlern und Irrtümern des Urteils in Einzelsragen doch viel dazu beigetragen hat, daß China die äußeren und inneren Erschütterungen seit dein Tode des Kaisers Hien Feng, des Gemahls Tsi His (1861), so überstanden hat, wie es geschehen