Druckschrift 
Tangaland und die Kolonisation Deutsch-Ostafrikas : Thatsachen und Vorschläge / von Karl Kaerger
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

170

Umfang eines solchen Versuchsfeldes, insbesondere also die Kaffee- gärten'allmählich immer mehr zu erweitern;

16. Aufstellung von Erntebearbeitungsmaschinen, z. B. von solchen für Baumwolle und Kaffee und Gestaltung ihrer Benutzung durch kleinere Unternehmer gegen entsprechenden Miethzins.

Diese Anstalt konnte zugleich als Schule für künftige Pflanzer Eigenleute und Gesellschaftsbeamte dienen und auch für die jungen kolonialen Verwaltnngsbeamten wäre es sehr nützlich, wenn sie etwa ein Jahr lang sich durch den Aufenthalt in der Anstalt in den Fragen der Kolonisationstechuik, welche die der Kolonialpolitik stets in hohem Maaße beeinflussen, aus eigener Anschauung ein praktisches Urtheil ge­bildet hätten. Um ihren Aufenthalt daselbst noch fruchtbarer zu machen, könnte vielleicht ein Verwaltungsbeamter, der mit dem Sitz in Malianga die kvlonialpolitischen Aufgaben in Bvndei zu losen und die ganze Ver­waltung der Landschaft zu leiten hätte ein solcher wird bei vermehrter Bewirthschaftung des Landes durch Europäer sowieso nöthig werden nebenbei beauftragt werden, die jungen Beamten (Referendare oder Assessoren) in das Studium kolonialer Fragen einzuführen, also eine Art akademisches Seminar dort einzurichten.

Schließlich könnte irr dieser Anstalt im Anschluß an das chemische Labarvtorium auch ein solches für Bakteriologie eingerichtet und ein tüchtiger Bakteriologe damit beauftragt werden, die Fragen nach den Ursachen der verschiedenen Malariaerkrankungen, insbesondere die durch­aus noch unentschiedenen Frage, ob sämmtliche Tropensieber aus die Einwirkung eines einzigen Virums zurückzuführen sind, an Ort und Stelle gründlich zu studieren und damit das Problem ihrer richtigen Behandlung der Lösung näher zu bringen.

Es ist klar, daß gerade durch die Konzentration so verschiedener wissenschaftlicher und praktischer Thätigkeiten auf einen Fleck diese alle durch den gegenseitigen Gedankenaustausch ihrer Vertreter ungemein gewinnen und diese Vertreter selbst in Folge der ihnen hier gebotenen, in Jungländern sonst so oft fehlenden geistigen Anregung mit nur so größerer Berufsfreudigkeit ihres Amtes walten würden.

d. Einführung der Eoirgewinnung.

Wie hier durch sein eigenes Beispiel der Staat aus die Produktion der Europäer fördernd einwirken könne, so wäre eine andere staatliche Thätigkeit geeignet, die Produktion der Eingeborenen durch Schaffung einer neuen gewerblichen Thätigkeit sehr zu heben. Da einerseits die Verwerthung der großen Mengen von Kokosnußfasern im allgemeinen volkswirthschaftlichen Interesse sehr erwünscht wäre und nach Durch­führung des oben vorgeschlagenen Prodnktionszwanges immer wünschens- werther sich erweisen würde, andererseits Nieder die Europäer die ge­werbliche Bearbeitung dieses Rohmaterials mit Aussicht aus Rentabilität im Großen betreiben können, noch die Eingeborenen freiwillig in Folge mangelnder Kenntnisse und angeborener Indolenz sich hierzu entschließen würden, so erachte ich es für geboten, daß der Staat die Sache in die Hand nimmt. Die Art und Weise, in der das geschehen könnte, dürfte etwa folgende sein.