Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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Vergiftungen durch tierische Gifte.

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diese seltenen, wegen ihres wertvollen Federkleides gejagten Vögel der Ausrottung preis gegeben, anstatt daß sie gehegt und in andere von Schlangen heimgesuchte Länder eingeführt werden.

VI.

Impfung gegen das Schlangengift. Eigenschaften des Serums der geimpften Tiere. Zubereitung des Heilserums.

Sewall hatte schon 1887 in einer bedeutsamen Arbeit über das Crotalus- Gift gezeigt, daß man Tauben durch Injektion von anfangs kleinen und unschäd­lichen, dann allmählich stärker werdenden Dosen Gift nach und nach widerstands­fähiger machen könne. Auf diese Weise konnte S. die sonst sehr empfindlichen Tierchen dahin bringen, daß sie das Zehnfache der tödlichen Dosis vertrugen.

Kaufmann gelangte etwas später zu ähnlichen Ergebnissen.

Verfasser kam bei seinen ersten Versuchen mit Cobra-Gift in Saigon zu dem Resultat, daß fortgesetzte Einimpfung des erhitzten Giftes Tieren einen gewissen Grad von Widerstandskraft gegen für Versuchstiere unfehlbar tödliche Giftmengen verleihen kann. Von 1894 an wurden die Experimente von Phisalix und Bertrand im Museum für Naturgeschichte zu Paris und vom Verfasser am Institut Pasteur mit Erfolg fortgesetzt. Es ergab sich einerseits, daß man bei Meerschweinchen und Kaninchen unter Beobachtung gewisser Vorsichtsmaßregeln durch Impfungen eine wirklich zuverlässige Immunität gegen das Gift erzielen kann, andererseits, daß die z. B. gegen Cobra-Gift geimpften Tiere auch sonst tödliche Mengen des Giftes von Vipern und anderen Giftschlangen vertragen, endlich, daß das Serum der geimpften Tiere antitoxische Stoffe enthält, welche die Immunität auf andere Tiere über­tragen können.

Nach Phisalix und Bertrand, welche damals nur mit Yipern-Gift arbeiteten, besteht das beste Impfverfahren für Meerschweinchen in der Einimpfung von 0,4 mg auf 75° fünf Minuten lang erhitzten Giftes. Nach achtundvierzig Stunden wird dieselbe Giftmenge ohne vorheriges Erhitzen eingeimpft. Kontrolliere werden von letzterer Dosis sicher getötet.

Impfung gegen das viel stärkere Co&ra-Gift wird am besten nach der vom Verfasser angegebenen Methode vorgenommen: Man injiziert zuerst geringe Mengen des Giftes gemischt mit der gleichen Quantität einer l%igen Chlorkalk-Lösung. Die Menge des Gifts wird allmählich erhöht und die Injektion in Zwischenräumen von drei oder vier Tagen vorgenommen, wobei man sorgfältig die Schwankungen des Körpergewichts der Tiere überwacht. Sobald Abmagerung bemerkbar wird, stellt man die Einspritzungen ein, um sie erst wieder aufzunehmen, wenn das normale Gewicht wieder erreicht ist. Nach vier Injektionen gechlorten Giftes läßt man den Zusatz von Chlorkalk weg und impft nur die Hälfte der tödlichen Minimal­dosis reinen Giftes ein, nach drei bis vier Tagen drei Viertel derselben, und endlich nach weiteren drei bis vier Tagen die volle sonst tödliche Menge.

Wenn die Tiere dem Gifte trotzen, so können die Impfungen nunmehr rasch fortgesetzt werden. Man steigert die Quantität jedesmal, wobei jedoch die Empfind­lichkeit des Organismus durch Wägungen geprüft werden muß.

In der Regel kann man in drei Monaten ein Kaninchen gegen 20 tödliche Dosen impfen; in sechs Monaten kann man das Tier soweit bringen, daß es das Hundert­fache derselben verträgt.

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