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Dr. Filippo Eho.
sonders nach unmäßigem und wiederholtem Genüsse des Mittels, folgt eine Depression in Gestalt von allgemeiner Schwäche und Verstimmtheit, welche bei manchen prädisponierten und widerstandsunfähigen Personen sehr ausgeprägt sein kann. Vielfach bildet sich chronischer Cannabismus heraus. Die Reizung des Gehirns dauert alsdann auch im wachen Zustande an und die Kranken verfallen in Manie und Melancholie, ln Indien sind die Irrenhäuser voll von solchen Kranken und die englischen Arzte betonen besonders, daß ihnen wohl die Hascliischraucher und Alkoholisten reiches Material liefern, nicht aber die Opiumraucher. (Vgl. S. 233.)
Literatur.
1899 Lewin, Die Nebenwirkungen der Arzneimittel, p. 151.
1901 Pouchet, Legons de pharmacodynamie et de matiere medicale. 2. Serie, p. 844. 1892 Prentiss, Ther. Gazette, p. 104.
1891 Hamaker, ibid. p. 808.
1883 Strange, Brit. med. Journal. 7 july.
Kawa.
Mit den Namen Kawa, Kawa-Kawa, Awa, Yuhona, Yangom bezeichnet man die Wurzel von Piper methgsticwm, eine Art Pfefferrebe, Kam. Piperaceae und das aus dieser bereitete berauschende Getränk. Die Pflanze wächst in ganz Polynesien und die Insulaner im östlichen Stillen Ozean betrachten sie als ein heiliges Gewächs. Ein großes Zeremoniell von Reden, Gesängen und Trommelmusik begleitet die Zubereitung und den Genuß des Trankes, welcher den Erwachsenen Vorbehalten ist und bei öffentlichen und privaten Festlichkeiten in Strömen fließt. Auf manchen Inseln verschwindet der Anbau und der Genuß der Kawa vor den eindringenden alkoholischen Getränken; Verfasser konnte noch auf Fidschi der Herstellung des Getränks beiwohnen.
Die gereinigte und zerkleinerte Wurzel wird von Kindern mit guten Zähnen, auf Samoa von den Taupo genannten Dorfjungfrauen gekaut, und in eine „tanoa“ genannte Schale gespieen, mit Wasser übergossen und mit den Händen oder einem zerfaserten Stück Rindenstoff' geknetet. Die faserigen Bestandteile werden dann unter regelmäßigem Rütteln der Schale mit einem Baststoff herausgefischt. Ohne Dekantieren oder Filtration erhält man so eine graue, trübe Flüssigkeit von bitterem, aromatischen prickelndem Geschmack.
Lewin hat die Kawa in pharmakologischer Hinsicht studiert und einen Gehalt von 40 % Stärkemehl, zwei kristallinische stickstoffreie, unwirksame, von ihm Kawain und Yangonin bezeichnete Substanzen und einen harzigen Bestandteil in einer Menge von 2 % gefunden, welch letzerer als das wirksame Prinzip anzusehen ist. Die letztere kann man durch Behandlung mit Äther in zwei Harze trennen, deren eines nur sehr schwach wirkt, während das andere alle die auffallenden Eigenschaften der Wurzel zeigt. Es ist leicht aromatisch, fett, von besonderem Pfeffergeschmack, und regt die Speichelabsonderung an; nach kurzer Einwirkung setzt es die Empfindlichkeit auf der Mundschleimhaut und Zunge herab. Das Harz hat nämlich eine lokal anästhesierende Wirkung, welche sich auch durch Betupfen der Konjunktiva oder subkutane Injektion nachweisen läßt. Kauen der Wurzel ruft ähnliche Erscheinungen hervor. Das Getränk selbst ruft, in genügender Menge genossen, ein Gefühl von Wohlbehagen, Frische und Zufriedenheit hervor. Wer es zu sich nimmt, fühlt sich als Herr seiner gesamten geistigen und körperlichen Kräfte, ohne zum Zorne gereizt oder streitsüchtig zu werden. Im Munde wirkt es