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Dr. Filippo Rho.
Parteien ergingen sich in diesem Streite, von Leidenschaft und Voreingenommenheit hingerissen, in den unvermeidlichen Übertreibungen von Optimismus und Pessimismus.
Pie Optimisten, Ambiül, Moissan, Martin u. A. erklärten die Annahme, daß die Wirkung des Opiumrauchens identisch sei mit der des Opiumessens, für unbewiesen, weil 1. mit den Dämpfen viel Morphium verloren gehe, ebenso bei der Zubereitung des Tschandu und der Herstellung der Pillen; 2. das Opium in großen Mengen ohne erkennbare giftige Wirkung geraucht werden könne und zwar nicht nur von Gewohnheitsrauchern, sondern auch von Anfängern, nämlich bis 20 g in einer Sitzung, was 1,28 g Morphium entspreche; 3. keine einzige authentische Beobachtung von akuter Opiumvergiftung vorliege, während so viele Vergiftungen mit Alkohol und Tabak bekannt seien! Wenn ein Tschandu von guter Qualität bei der Temperatur, wofür die erfahrenen Raucher ein sehr feines Gefühl haben, geraucht wird, so entwickeln sich nach Martin nur angenehme Riechstoffe und durch die Einatmung des Rauches wird nur eine winzige Menge Morphium aufgenommen, welche gerade ausreicht, um einen völlig unschädlichen Schlaf herbeizuführen. Auch sollen zahlreiche gesunde, intelligente und hervorragend tüchtige Chinesen eingefleischte Opiumraucher sein.
Trotzdem braucht man nur einen Blick in die übelriechenden Häuser zu tun, wo die Chinesen ihrem Laster frönen, um den dort umherliegenden Jammergestalten die bösen Folgen ihrer verderblichen Gewohnheit anzusehen. Wenn es sich auch meistens um Angehörige der niedrigsten Volksklasse handelt, welche ein leichtsinniges Leben führen, dem Spiele ergeben sind usw., so summieren sich doch diese Nebenumstände nur zu den unverkennbaren schädlichen Einflüssen des Opiums.
Das Opium führt unter Appetitlosigkeit zu einer allmählich, wenn auch sehr langsam, vorschreitenden Abmagerung und Erschöpfung. Die chinesischen Sträflinge in den englischen Kolonien, welche während ihrer Haft zur Enthaltsamkeit gezwungen sind, nehmen fast sämtlich an Gewicht zu. Der Ernährungszustand der Muskeln und sonstiger Gewebe bessert sich und die frühere Kraft und Frische kehrt wieder.
In jeder Hinsicht sind die Folgen des Opiummißbrauchs nicht so schwerwiegend wie die des Alkoholismus, welcher schlimmere und nachhaltigere Veränderungen nach sich zieht und oft zu Belästigungen und Benachteiligungen dritter Personen führt, was bei dem schlafbringenden Mohnssaft der Orientalen nicht vorkommt.
Die Behandlung der chronischen Opiumvergiftung ist gleich einer Morphiumentziehungskur und besteht in einer plötzlichen oder allmählichen Entziehung des Giftes. Diese bringt physische und somatische Störungen, welche jedoch. nur einmal anftreten, allerdings sehr heftig und anhaltend sein können. Der Arzt wird sich je nach den Umständen des einzelnen Falles und der Widerstandsfälligkeit des Kranken für das eine oder andere Verfahren zu entscheiden haben.
Literatur.
1893 Ambiel, Des fumeurs d’opium. Arch. de med. navale. Novembre. p. 357.
1892 Calmette, Le ferment de l’opium des fumeurs et la fermentation artiücielle des chandoos. Arch. de m£d. navale. Fevrier.
1890. Lalande, Opium des fumeurs, preparation et analyse cbimique. Arch. de med. nav. Jinllet. p. 33.
1893 Martin, L’opium et ses abus. Societe d’editions scientifiques. Paris.
1883 Mahme, Deutsche med. Wochenschr. Nr. 14.
Indischer Hanf, Cannabis indica, Haschisch.
Der indische Hanf wächst in Indien, Persien, Arabien und ist nur eine Abart des gewöhnlichen Hanfes, Cannabis sativa, welche unter dem Einfluß von