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Bd. 1 (1905)
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Die Nerven- und Geisteskrankheiten in den Tropen.

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Exaltation und Schlaflosigkeit, welche Erscheinungen aber nicht so heftig und un­ausgesetzt fortdauern als beim Alkoholdelirium. Motorische Symptome, wie Tremor und Ataxie fehlen, hie und da ist der Gang unsicher. Einzelne Fälle haben einen stuporösen Typus.

III. Akute Haschisch-Manie. Es sind Fälle von Mania mitis bis zur Mania furibunda bekannt; meistens ist die Unruhe sehr groß mit Verwirrtheit, Größen- und öfters Verfolgungs- und Vergiftungswahnideen, Neigung zur Aggression, zum Entblößen und Zerreißen, nicht zum Suicidium. Die Sinnestäuschungen sind nicht so markant wie bei der alkoliolistischen Manie, doch fehlen die des Gehörs und Gefühles nicht.

Wenige Fälle sind melancholisch gefärbt mit großer Depression und Angst begleitet von Gehörshalluzinationen.

Ein bestimmtes pathognomonisches Symptom für akute Haschisch-Manie fehlt.

IV. Chronische Haschisch-Manie. Viele Fälle sind nicht von der ge­wöhnlichen Form zu unterscheiden. Die düstere Stimmung, das Mißtrauen und die Eifersucht des Alkoholisten fehlen hier, wie motorische und sensibele Störungen während Halluzinationen seltener sind.

V. Haschisch-Dementia ist das Endstadium der oben beschriebenen Formen. Die Erscheinungen sind Verlust des Gedächtnisses und der Energie, schlechte Gewohnheiten usw. wie bei der gewöhnlichen Dementia. Auch hier keine motorischen und sensiblen Symptome.

Mit dem Namen Cannabinomania bezeichnet Warnock den Geisteszustand, bevor sich psychotische Erseheinungen eingestellt haben. Dieser besteht in einer moralischen Depravation, nicht ungleich der des Alkoholisten: für Umgebung und Justiz sind diese Leute eine wahre Plage. (Über Haschisch-Intoxikation vgl. auch S. 282 dieses Handbuchs.)

Somatische Krankheiten hei Geisteskranken.

Beri-Beri und Dysenterie bilden in den hiesigen Anstalten eine häufige Todesursache, bedeutend weniger die Lungentuberkulose.

Zwei in Irrenanstalten vielfach vorkommende Läsionen, das Othämatom und Decubitus bedürfen eiuer näheren Besprechung. In theReport, for 1881 of the lunatic asylum of the Colony of New-Zealand l liest man:If theinsane ear were always, or frerpiently, the result of blows, one would have exspected to find it here in excess. On the contrary, however, it is unknown. Those who hold tliis doctrine ought to explain this fact. Obwohl dieblows hier nun nicht so allgemein sind, wie offenbar in der australischen Anstalt, kommen Verletzungen, welche die Patienten sich selber und anderen beibringen, wie dies überall auch sonst stattfindet, in genügender Anzahl vor, um nach der exklusiv traumatischen Theorie ein öfteres Vorkommen erwarten zu lassen.

In Europa beobachtet man den Decubitus nicht so selten am Seziertisch, in Indien ist dies eine Seltenheit. Freilich ist eine langwierige Bettlägerigkeit hier nicht so allgemein wie dort, doch kommt sie oft genug vor, um diesen Umstand so gut wie ganz außer Rechnung zu lassen.

Daß einzelne Nervenkrankheiten auf die Entstehung der Gangrän Einfluß aus­üben, ist bekannt und wird sich in jedem Klima, so auch hier geltend machen. Warum aber die sogenannte entzündliche Druckgangrän in der gemäßigten Zone so viel leichter entsteht als in den Tropen, wo sie selten ist, liegt nicht so auf der Hand.