Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
182
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Prof. Dr. A. Looss.

eosinophile Zellen. Balfotjr fand in anderen Fällen zwischen 6 und 36 °/ 0 , Powell in dem Eiter der Geschwüre durchschnittlich 19%.

Dracunculus medwensis Velsch 1674

(Vena medinensis Velsch 1674, Dracunculus Persarum Kämpfer 1694, Gordius medine? 2 sis L. 1758, Filaria dracunculus Brems. 1819, Filaria medinensis autt. u. a.;

Medinawurm, Guineawurm; ver de guinee, dragonneau; Guinea worin u. a.)

ist ein zylindrischer, weißer oder gelblicher Wurm von 5080 cm, gelegentlich sogar 1 m (Crespin) Länge und 1,51,7 mm Dicke. Von älteren Autoren wird eine zum Teil weit über dieses Maß hinausgehende Länge (4, 6, 8, ja von Gallandat sogar 12 Fuß) angegeben. Ich glaube, daß diese hohen Angaben mehr als Schätzungen denn als wirkliche Messungen anzusehen sind; einige der späteren Autoren scheinen sie aber ernst zu nehmen und führen sie zum Teil auf die mit der Extraktion der Würmer verbundene passive Dehnung zurück; andere vermuten, daß es sich bei den hohen Maßangaben um mehrere Exemplare gehandelt habe, die als eines gemessen wurden; Manson endlich glaubt, daß die verschiedenen Größenangaben sich vielleicht auf verschiedene, bis jetzt noch nicht als selbständig erkannte Spezies beziehen könnten. Nach den Erfahrungen, die wir mit dem Anky- lostoma, den Blutfilarien u. a. gemacht haben, ist diese Möglichkeit gewiß nicht von der Hand zu weisen; um der Vermutung Mansons festeren Boden zu geben, müßte freilich mehr darauf hingewirkt werden, die Würmer, wo sie auftreten, zur Untersuchung intakt zu erhalten.

Das Kopfende ist etwas verjüngt, abgerundet, und trägt auf seiner Spitze eine scliildartige, zentral von der dreieckigen Mundöffnung durchbohrte und dorsal und ventral von dieser je in eine kleine Erhebung vorspringende Kappe, deren Band durch 6 (2 größere seitliche und 4 kleinere submediane) Papillen etwas nach innen eingebuchtet wird. Das Hinterende ist ziemlich abrupt stachelartig verjüngt und nach der Bauchseite eingebogen. In den Seiten der frischen Würmer machen sich zwei halb durchscheinende, dunklere Bänder, die Seitenfelder bemerkbar.

Die die Abszesse verursachenden Würmer sind sämtlich Weibchen, deren ge­samter Körper zum weitaus größten Teile durch die beiden voluminösen Uteri ausgefüllt wird. Bei Verletzungen der Leibeswand quillt dieser Inhalt als weißliche Flüssigkeit hervor; unter dem Mikroskop entdeckt man in ihr massenhafte Embryonen. Die Männ­chen sind bis jetzt noch unbekannt.

Allerdings wurden neuerdings von Charles (bei Sezierübungen im Medical College zu Madras) im subperitonealen Gewebe der dorsalen Bauchhöhlenwand neben einigen zu- sammengeknäuelten und mehr oder minder verkalkten Würmern 2 jüngere Weibchen ge­funden, denen je ein zweiter, kleinererWurm anhing. Bei dem einen, 148 mm langen und 1,2 mm dicken Weibchen entsprang der Anhang etwa 4 cm vom Kopfe entfernt. Charles glaubt in diesen Anhängen die lange gesuchten Männchen des Medinawurmes entdeckt zu haben; abgesehen aber davon, daß keinerlei Untersuchung der Anhänge vor­genommen, ihre wahre Natur also nicht objektiv festgestellt wurde, muß der Umstand, daß der Autor sie ca. 1 cm aus einer kleinen Öffnung in der Haut der Weibchen her aus ziehen konnte, ohne ihren Zusammenhang mit diesen zu lösen, starke Zweifel an der Bichtigkeit dieser Deutung wachrufen. Die Anhänge dürften vielmehr nichts anderes als prolabierte Teile des noch unvollkommen entwickelten weiblichen Genital­apparates gewesen sein. Dieselbe Erklärung gibt Manson für einen ähnlichen an der Goldküste von Elliott beobachteten Fall.

An den erwachsenen Weibchen ist eine Genitalöffnung bisher nicht gefunden worden (ebenso fehlt ein Anus); man nahm deshalb an, daß die Embryonen nur durch eine Ruptur des mütterlichen Körpers frei werden könnten. Der wirkliche Geburtsvor-