Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
178
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Prof. Dr. A. Looss.

reichen erwachsen eine Länge von 3033 mm bei 0,4 mm Dicke; die Weibchen eine Länge von 5057 mm bei 0,5 mm Dicke; von einem älteren Beobachter werden sogar 70 mm Länge angegeben. Ein charakteristisches Aussehen bietet die Haut, indem sie mit Ausnahme deä Vorder- und des männlichen Hinterendes äußerlich mit unregelmäßig und ungleich dicht gruppierten, kleinen buckelartigen Erhebungen bedeckt ist. Das Vorder­ende ist nur wenig verjüngt und trägt einen konischen, beim Männchen scharf, beim Weibchen wenig abgesetzten, vorn quer abgestutzten Aufsatz. Die 6 Kopfpapillen treten nicht über das Niveau der Haut hervor. Am Hinterende des Männchens finden sich, in einer schmalen seitlichen Hautverdickung und auf beiden Seiten nicht ganz symmetrisch gelegen, 2 post- und 3 präanale Papillen, die von hinten nach vorn an Größe zunehmen und dabei (mit Ausnahme der hintersten) eine nach dem freien Ende zu stark kolbig verdickte Gestalt annehmen. Die beiden Spicula sind in ganzer Ausdehnung ungefähr gleich dick, 0,113 und 0,176 mm lang. Das Hinterende des Weibchens ist 0,17 mm hinter dem After breit abgerundet; die Genitalöffnung liegt weit vorn, 2,4 mm vom Kopfende entfernt.

Die Eier besitzen keine eigentliche Schale, sondern nur eine außerordentlich diiune Embryonalhülte, die von den Embryonen vor dem Ausschlüpfen zu einer fast zylindrischen Form gedehnt wird (Ludwig); von Annktt, Dutton und Ei.liott wird sie mit der an zirkulierenden Filarienlarven auftretendenScheide verwechselt. Bei der Geburt sind die Embryonen scheidenlos, ungefähr 0,26 mm lang und 0.005 mm dick; ihr Kopfende ist abgerundet, das Hinterende verjüngt und zugespitzt, die Haut glatt. Etwa 0,08 mm hinter dem Kopfende bemerkt man nach Ludwig den Exkretionsporus (=spot 2 von Annett, Dutton und Elliott), etwa 0,043 mm vor dem Hinterende den After (=spot 4 nach Annf.tt, Dutton und Elliott).

In der Mehrzahl der Fälle, in denen das Blut von Loaträgern untersucht wurde, fanden sich keine Larven im peripheren Kreislauf; in anderen (Proüt) waren deren vor­handen (0,3 mm lang, 0.0030,004 mm dick, mit spitzem Schwänze), doch weist nichts darauf hin, daß sie der Filaria loa angehört hätten.

Auf Grund vorwiegend geographischer Tatsachen hat Manson die Vermutung aus­gesprochen, daß seine Filaria diurna die Larve der Filaria loa sei, und daß, entsprechend dem Erscheinen der Filaria diurna am Tage, eine bei Tage stechende Insektenart (viel­leicht Chrysops dimidiatus v. d. Wulp), dieMangrove-Fly) als Überträger fungiere. Die Schlußfolgerungen Mansons werden gegen Annett, Dutton und Elliott, die Filaria diurna (cf. S. 167) für identisch mit Filaria nocturna-bancrofti halten, von Sambon unterstützt, und neuerdings glaubt Brumpt sich von der Identität der Filaria diurna mit der Filaria loa definitiv überzeugt zu haben. Bei einem Eingeborenen von Kassa'i, der während des Lebens eine konstant, bei Tage aber zahlreicher als bei Nacht im Blute entstandene Filarie von Brumpt zuerst für eine neue Spezies Filaria bourgii gehalten, später aber als Filaria diurna erkannt beherbergt hatte, wurde bei der Autopsie auf dem Herzen neben 4 verkalkten Exemplaren ein 6 cm langes Stück einer erwachsenen Filarie gefunden. Kopf- und Schwanzende fehlten, dagegen waren auf der Haut die charakteristischen Cuticularbuckel vorhanden und Brumpt hält seinen Fund deshalb für Filaria loa. deren Sitz somit nicht ausschließlich die Umgebung der Augen ist. Nachforschungen nach dem Zwischenwirte, der anfänglich in einer Glossinaart ver­mutet wurde, führten zu keinem bestimmten Resultate.

In einem von Blanchard mitgeteilten Falle führt der Patient das erste Auftreten des Wurmes auf einen 15 Tage vorher erfolgten Genuß unreinen Trinkwassers zurück; einen kausalen Zusammenhang zwischen beiden Geschehnissen halte ich für ausgeschlossen.

Von F. Plehn, Thompstone, Habershou u. A. werden gewisse, an der Westküste Afrikas (Nigeria, Kamerun), aber auch am oberen Congo und in Ostafrika bei Weißen und Farbigen häufig beobachtete Geschwülste (üalabar swellings, Kamerungeschwülste) mit Filaria loa in Beziehung gebracht. (Vgl. S. 50.) Sie erscheinen gewöhnlich sehr schnell als umschriebene Erytheme von 4060 mm Durchmesser, nach einigen Autoren meist am Rumpfe, nach anderen vorzugsweise an den Extremitäten, im allgemeinen an jeder be­liebigen Stelle, sind leicht irritierend, aber nicht schmerzhaft und wandern langsam (2030 mm pro Tag), um nach einigen Tagen wieder zu verschwinden und nach Monaten