Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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170
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Prof. Dr. A. Looss.

sich jedoch dicht beisammen und anscheinend im subperitonealen Bindegewebe, auch ein Weibchen und ein Bruchstück eines Männchens einer anderen Form, die sich von Filaria bancrofti , vom Wohnsitz abgesehen, nur dadurch unterschieden, daß die Schwanzspitze des Weibchens etwas kugelig aufgetrieben war. Manson vermutet in diesen Individuen die Eltern der spitzsehwänzigen Larvenform, und behält für sie provisorisch den Namen Filaria oxzardi bei. Bis auf weiteres dürfte sie von Filaria bancrofti nicht zu unterscheiden sein.

Filaria gigas Prout 1902 .

ln einem von einem Eingeborenen von Sierra Leone stammenden Blutpräparate fand Pb out unter Filaria bancrofti- Larven zwei relativ große, stumpfschwänzige Exemplare (Fig. 40 0), von denen das eine 0.34, das andere 0,22 mm Länge besaß; die Dicke betrug 0,0080,012, bzw. 0,0080,010 mm. Der Körper zeigte eine starke Affinität zu Fuchsin. Auf diese Charaktere hin gründet der Autor dieneue Spezies Filaria gigas. 1 ) In einem anderen Falle wurden sehr kleine Larven von 0,012 mm Länge und 0,0020,003 mm Dicke mit abgerundetem Kopfe und stumpfem Schwanzende gefunden. Sie ähneln Filaria ozzardi, doch hält sie Pbout ebenfalls für eine neue Spezies, die glücklicherweise nicht benannt wird.

Eine 0,13 mm lange, 0,005 mm dicke, stumpfschwänzige, fast zylindrische und mit Scheide versehene Larve fand Powell in Bombay in vereinzelten Exemplaren im Nachtblute eines Mannes; am Tage wurde anscheinend nicht untersucht.

Vergleicht man diese Charakteristiken der zurzeit als selbständigeSpezies be­trachteten Blutfilarien des Menschen, so ergibt sich ohne weiteres, daß eine sichere Unter­scheidung derselben ganz unmöglich ist. Sieht man von Filaria perstans ab, die durch die Gestalt ihres Kürperendes eiuigermaßen charakterisiert zu sein scheint, dann gilt das gleiche auch von den erwachsenen Formen, und ebenso problematisch sind die Beziehungen, die man in den einzelnen Fällen zwischen diesen und den gleichzeitig anwesenden Larven angenommen hat. Die bisher allein beschriebenen rein äußerlichen Merkmale, wie Länge, Dicke usw. sind zur Unterscheidung von Arten an sich schon ungenügend und werden durch die beim Trocknen eintretenden ganz unberechenbaren Schrumpfungen noch un­sicherer gemacht. Wer dazu Gelegenheit hat, sollte den Bau der Larven im Leben möglichst genau analysieren; es ist sehr wahrscheinlich, daß die feinere Gestaltung des Kopf- und Schwanzendes, die Beschaffenheit der Haut und vielleicht auch die Entfernung des Nervensystems und Exkretionsporus vom Kopfende Anhaltspunkte für eine sichere Trennung der Arten abgeben. Sodann achte man auf etwaige Differenzen unter den zirkulierenden Larven; da die im Uterus der erwachsenen Weibchen enthaltenen freien Embryonen noch keineScheide besitzen, so muß sich diese während des Zirkulierens im Blute bilden, wobei Gestaltveränderungen des Kopf- und Schwänzendes eintreten können. Bei Sektionen müßte in der Umgebung der Weibchen nach etwaigen neugeborenen Larven gesucht und diese mit den zirkulierenden verglichen werden. Zur Herstellung von Dauerpräparaten sollten die Larven nicht mehr getrocknet, sondern konserviert werden, wie oben angegeben; das Verfahren ist etwas komplizierter, doch kann man an solchen Präparaten, wenn sie sachgemäß hergestellt sind, nach Jahren noch die feinsten Einzelheiten erkennen, und jede Schrumpfung des Körpers ist ausgeschlossen. Etwa ge­fundene erwachsene Würmer bringe man vor allem nicht in Wasser, sondern konserviere sie sobald als möglich; in der oben angegebenen Weise aufgehellt, lassen sie ihren inneren Bau noch ebensogut erkennen, wie lebendige Exemplare, ohne baldigem Verderben durch Platzen, Schrumpfungen und dergl. ausgesetzt zu sein. Außer auf Größe, Konfiguration des Vorder- und Hinterendes, die bisher fast allein beschrieben wurden, achte man auf

') Mir will scheinen, daß es sich hier gar nicht um ganze Tiere, sondern nur um zwei leere, mit Fuchsin imhibierte Scheiden gehandelt hat.