Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

Von Würmern und Arthropoden hervorgerufene Erkrankungen.

169

Neuerdings spricht Bastian die Ansicht aus, daß Filaria perstans nur eine ge­legentlich in den Menschen geratende Art des Genus Tylenchus Bastian sei, die normaler­weise teils frei der feuchten Erde, teils parasitisch in den Wurzeln von Bananen lebe. Low tritt dem mit Recht entgegen.

Filaria demarquayi Manson 1895.

Manson entdeckte diese Form im Blute Eingeborener von St. Vincent, später wurde sie auch in S t. L u c i a, Dominica und Trinidad, und anscheinend dieselbe Form neuerdings auch in Neu-Guinea gefunden. Die Larven gleichen in Aussehen und Körpergestalt, vor allem auch durch den Besitz eines spitzen Schwanzendes denen der Filaria bancrofti, sind aber nur 0,2 mm lang und 0,005 mm dick und besitzen keineScheide (Fig. 40 C). Sie sollen sich, wie Filaria perstans, will­kürlich verlängern und verkürzen, sowie aktiv vom Orte bewegen können. Be­merkenswert ist das von Daniels konstatierte Faktum, daß sie oft nur in ganz eng umschriebenen Gebieten auftreten, hier aber bis zu 60 % der Bevölkerung befallen, wälirend sie an nahebei gelegenen Orten fast oder ganz fehlen. Infektionsversuche, die Daniels mit Mücken (Stegomyia fasciata Fabr., Culex fatigans Wied, und Anopheles albipes Theob.) anstellte, schlugen fehl.

Bei der Sektion eines Patienten, der während des Lebens die Larven im Blute gezeigt hatte, fand Galgey im Omentum erwachsene Weibchen, die der er­wachsenen Filaria oxxardi sehr ähnlich waren, sich von ihr aber durch minimale Differenzen in der Gestalt des Kopf- und Schwanzendes unterschieden. Daniels hält sie auf diese Abweichungen hin für spezifisch selbständig und für die er­wachsene Form der Filaria demarquayi. Objektiv betrachtet ist diese Selbständig­keit zur Zeit noch ebenso problematisch, wie die der Larven.

In einem auf Tahiti von Alguier bei einer Europäerin beobachteten Falle reiner Chylurie, die mit Unterbrechungen 5 Jahre dauerte, ohne am Ende dieser Zeit geheilt zu sein, wurden im Blute und im Urin zu jeder Tages- und Nachtzeit zahlreiche, spitzschwänzige, und mitScheide versehene Filarienlarven von 0,15 mm Länge gefunden, die der Autor auf Filaria demarquayi Mans. bezieht. 1 ) Er ist geneigt, die Krankheitsursache in den Filarien zu erblicken; demnach wäre also auch eine nicht periodisch im Blute auftretende Filarienlarve, resp. deren er­wachsene Form imstande, Chylurie hervorzurufen.

Filaria oxxardi Manson 1897.

In Blutpräparaten, die Ozzard von den Ureinwohnern Britisch G ui a n a s angefertigt hatte, dagegen nicht im Blute der an der Küste angesiedelten farbigen und weißen Bevölkerung fand Manson in ungefähr der Hälfte der Fälle zwei ver­schiedene Formen von Filarienlarven, die er anfänglich für verschiedene Alters­stadien einer neuen Art hielt und Filaria, oxxardi nannte. Später wurde die eine derselben, die sich durch einen stumpfen Schwanz auszeichnete, für identisch mit Filaria perstans erklärt (Fig. 40 E) und der Name Filaria oxxardi auf die andere, spitzschwänzige beschränkt (Fig. 40 D), obwolü diese durch ihre geringe Größe, ihre Bewegungen und den Mangel einerScheide in hohem Maße der Filaria demarquayi gleicht.

Bei Gelegenheit der Sektion von Eingeborenen, die während des Lebens beide Formen im Blute gezeigt hatten, fand Daniels später mehrere Male erwachsene Würmer, die Manson als identisch mit Filaria perstans erkannte; einmal fanden

J ) Da letztere ausdrücklich keineScheide besitzen soll, so bleibt diese Identität fraglich.