Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

168

Prof. Dr. A. Looss.

Filaria perstans Manson 1891 .

Ist zuerst in Afrika gefunden worden, wo von der ganzen tropischen AVestküste aus bis nach Uganda die Eingeborenen sehr häufig, und gelegentlich auch die Weißen von ihr befallen sind. Die Larven (Fig. 40 F) sind kleiner, als die der Filaria bnncrnfti, durchschnittlich 0,2 mm lang und 0,005 mm dick und sollen ein für Nematoden ganz ungewöhnliches Verhalten ihren Körper willkürlich strecken und zusammenziehen können. Das abgerundete und nicht verjüngte Kopfende enthält nach Manson einen feinen Stachel, der während des Lebens vorgestoßen und zurückgezogen wird. Die beiden

letzten Körperdrittel sind etwas ver­jüngt und das Schwanzende ist breit abgerundet. EineScheide fehlt, und damit hängt es wohl zusammen, daß die Larven auch Bewegungen vom Orte auszuführen vermögen. Sie sind ohne Unterbrechung bei Tag und Nacht -im peripheren Blute anzutreffen.

Später erhielt Manson Blutproben von Eingeborenen Britisch Guianas, in denen sich neben einer kleinen spitz- schwänzigen auch eine stumpfschwän- zige Filarienlarve von 0,170,24 mm Länge und 0.0040,005 mm Dicke vorfand (Fig. 40 E), die Manson für identisch mit Filaria perstans hält. Anscheinend zu diesen Larven gehörige erwachsene Individuen hat dann Daniels bei der Sektion Eingeborener von Britisch Guiana gefunden; sie lagen im Bindegewebe und Fett an der Basis des Mesenteriums, hinter der Bauch­aorta, im Fett unter dem Perikardium und ähnelten der Filaria bancrofti bis auf etwas geringere Länge (7080 mm beim Weibchen) und vor allem ge­ringere Dicke (0.12 mm), sowie relativ etwas größeren Durchmesser des Kopfes. Das Männchen ist kleiner und soll nach Low 4 Paar präanaler und ein Paar postanaler, sehr kleiner Papillen be­sitzen. Das charakteristischste Kenn­zeichen dürfte ein Paar, bei beiden Ge­schlechtern an der Schwanzspitze vor­handener, dreieckiger Anhänge sein, die dem Schwanzende ein mitraartiges Aussehen geben.

Den Zwischenwirt vermutet Christy in einer Zecke Argas (Ornithodorus) moubata, doch wird dem von Sambon und Low widersprochen. Hodges experimentierte ohne Resultate mit Anopheles costalis Loew, A. funestus Gii.es. A. paludis Theob., Panoplites sp., Stegomyia fasc'iata Fabr. und Stegomyia sugens Wied.

Eine Zeitlang wurde Filaria perstans mit der Schlafkrankheit der Neger in ur­sächlichen Zusammenhang gebracht, da man die Larven mehrfach im Blute an dieser Krankheit Leidender angetroffen hatte. Neuere Erfahrungen weisen aber unzweifelhaft darauf hin, daß es sich hier um eine reine Koinzidenz handelt, da die Larven ebenso­gut fehlen können.

Fig. 38.

A B. G.

Die verschiedenen Arten der Blutfilarien, sämt­lich ca. 300; i ; Fig. A F nach Manson, G nach Prout. A. Filaria nocturna = Filaria bancrofti larva, B. Filaria diurna, C. Filaria demarquayi, D. Filaria ozzardi, E. Filaria perstans aus Britisch Guiana. F. dieselbe aus Afrika,

G. Filaria gigas.