Von Würmern und Arthropoden hervorgerufenc Erkrankungen.
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von infizierten Personen zu saugen, als aueli die Filarienlarven später auf andere Individuen zu übertragen. Da namentlich stärker infizierte Moskitos anscheinend nicht gern und nicht weit fliegen, so werden sie in Räumen, wie z. B. Herbergen, in denen, den Stichen der Mücken ausgesetzt, abwechselnd Infizierte und Gesunde schlafen, nach einiger Zeit notwendig die Infektion der letzteren bewirken. Ein Filarienträger kann unter diesen Umständen auch an Orten, wo nicht die Filaria selbst, sondern nur noch einer ihrer Zwischenwirte, wie z. B. der weitverbreitete Culex fatigans heimisch ist, zur Infektion von Personen Anlaß geben, die nie in Filariagegenden gewesen sind. Es erscheint mir nicht unmöglich, daß der von Font in Spanien, ebenso wie ein von V in Italien beobachteter, von Sonsino ohne zwingenden Grund angezweifelter sporadischer Fall von Filariasis auf diese Weise ihre Erklärung finden.
In der ersten Zeit nach der Entdeckung der Blutfilarien durch Lewis (1872) wurden alle ähnlichen Funde,, obwohl zum Teil in weit entfernten Gegenden gemacht, auf „Filaria sanguinis hominis Lewis“ bezogen. Erst in dem Maße, als die Beobachtungen sich mehrten, zeigte sich, daß die jungen Filarien nicht immer und überall die gleiche Größe und das gleiche Aussehen darboten, hauptsächlich aber auch inbezug auf die Periodizität ihres Auftretens im peripheren Blute Unterschiede zeigten. 1 ) Auf diese Unterschiede hin hat Manson eine Anzahl distinkter Spezies begründet, die indessen bisher nicht allgemein Anerkennung gefunden haben.
Filaria diurna Manson 1891 .
Wurde von Manson zweimal im Blute von Xegern der Westküste Afrikas gefunden, gleicht den Larven der Filaria bancrofti in Größe, Aussehen und dem Besitze einer „Scheide“ (Fig. 38 B), unterscheidet sich von ihr aber dadurch, daß sie allein und ausschließlich nur am Tage im peripheren Blute aultritt.
Dieser Unterschied scheint klein, kann aber nicht schlechtweg ignoriert und Filaria diurna für identisch mit Filaria bancrofti erklärt werden (v. Linstow, Annett, Dutton und Eixiott), solange die Gründe nicht sicher gestellt sind, welche die Larven der letzteren Art /die Filaria nocturna) gerade in Westafrika zur Aufgabe ihrer sonst so konsequent beibehaltenen Lebensgewohnheiten bewegen. Ebenso spricht die Beobachtung von Annett, Dutton und Eixiott, daß Anopheles costtrfis in Westafrika w r ohl für Filaria bancrofti, nicht aber für Filaria diurna als Zwischenträger zu dienen vermag, sehr gegen eine Identität der beiden Formen. Andererseits bleibt es aber fraglich, ob alle am Tage auftretenden Larven gerade Filaria diurna sind. Auf den von Manson publizierten Abbildungen (cf. Fig. 38) sieht man z. B. das Schwanzende der Filaria diurna (allerdings im getrockneten Präparate) unzweifelhaft länger und spitzer, als das der iilaria bancrofti, während andere Beobachter (Prout) gerade umgekehrt das Schwanzende der Filaria bancroftilsrven schärfer zugespitzt finden. Zu einer sicheren Begründung der Spezies Filaria diurna sind deshalb genauere anatomische Details noch unbedingt nötig.
Von Manson ist die Filaria diurna hauptsächlich auf Grund ihres geographischen Verbreitungsbezirkes vermutungsweise mit Filaria loa Guyot in Zusammenhang gebracht w’orden, Sambon hält neuerdings diese Zusammengehörigkeit für wahrscheinlich und Bhumpt für sicher; weiteres hierüber siehe unter Filaria loa. Aus der Geschichte der Filaria bancrofti schließt Manson, daß für Filaria diurna eine am Tage stechende Insektenart als Zwischenwirt fungiere, und nennt als verdächtig eine in den betreffenden Gegenden häufige Fliege, die „Mangrove-fly“ (Chrysops dimidiatus v. n. W ulf.).
] ) Eine interessante Frage wirft in diesem Zusammenhänge Scheube auf: Die „Filarial Periodicity“ wurde von Manson erst 1879 entdeckt; da anzunehmen ist, daß die Beobachter der Blutfilarien zwischen 1872 und 1879 ihre Blutuntersuchungen am Tage Vornahmen, so würde daraus folgen, daß diese es nicht mit Filaria bancrofti, wenigstens nicht mit der Filaria nocturna Manson zu tun hatten.