Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Prof. Dr. A. Looss.

driisen. mit der PuAVAz'schen Spritze entnommen, besteht aus einer weißen oder rötlichen, schnell koagulierenden chylösen Flüssigkeit, in der gewöhnlich Filarienlarven nachweisbar sind.

Betreffs der Behandlung empfiehlt Manson operative Eingriffe nur im Not­fälle und unter streng aseptischen Kautelen, da sonst Lymphangitis sehr leicht hinzutreten und von schweren Folgen begleitet sein kann. Überdies ist die Operation oft zwecklos, da an Stelle der entfernten andere Lymphgefäße anschwellen, auch Chylurie oder Elephantiasis der Beine folgen kann. Im Gegensätze hierzu plädiert Maiti.and warm für eine operative Entfernung, die nach seinen zahlreichen, in Madras gesammelten Beobachtungen den Patienten Erleichterung schafft und keine üblen Folgen nach sich zieht. Godlee hat auf Maxson's Rat, um Lymphstauungen an den operierten Stellen zu vermeiden, mit gutem Erfolge Verbindungen der Lymph­gefäße mit benachbarten Venen (V. spermatica, V. saphena) hergestellt.

Chy lurie, Hämato-Chylurie.

Die Chylurie tritt in der Regel in einzelnen Anfällen auf, die Wochen und Monate andauern und durch unter Umständen jahrelange Zwischenräume getrennt sein können; seltener nimmt sie einen kontinuierlichen Verlauf, wie in einem von Scheuue beobachteten Falle, wo sie sich ohne Unterbrechung durch 2 Jahre hinzog. Bei Chylurie wird der Urin vollkommen milchartig undurchsichtig, zeigt manchmal auch eine von beigemischtem Blut herrührende rötliche bis rote Farbe, im übrigen aber ist sein Verhalten im Verlaufe eines Anfalles großen Schwankungen unter­worfen. Anscheinend am häufigsten steigt die Trübung vom Morgen bis zum Nach­mittag, um dann allmählich wieder soweit zu sinken, daß der Urin nach Mitternacht fast normales Aussehen annimmt. Umgekehrt kann auch der erste Morgenurin am meisten verändert sein.

Beim Erkalten gerinnt er ganz oder teilweise zu einer gallertigen Masse. Nach Manson bildet sich in letzterem Falle ein in der milchigen Flüssigkeit schwimmendes rotes Coagulum, während von der Flüssigkeit selbst ein spärlicher roter Bodensatz und eine dünne, rahmartige Oberflächenschicht sich absondern. Diese letztere besteht hauptsächlich aus größeren Fettröpfchen; kleinere finden sich zahlreich auch in der mittleren Schicht und spärlich in dem Bodensätze; durch Schütteln mit Äther können sie gelöst werden und der Urin wird dann klar; ein in die Flüssigkeit getauchtes Stück Fließpapier zeigt nach dem Trocknen einen Fettfleck. Der Bodensatz besteht zur Hauptsache aus zelligen Elementen und Kristallen; neben ihnen finden sich gewöhnlich, aber nicht immer Filarien­larven, die dann in größerer Zahl auch in dem roten Coagulum Vorkommen.

Nicht selten bilden sich die Coagula bereits in der Blase und es kommt dann zu Harnverhaltung, bis nach einigen Stunden unter Schmerzen wurmförmige Coagula entleert werden.

Die einzelnen chylurischen Anfälle treten oft ohne Prodromalerscheinungen und nachweisbare äußere Ursachen auf; in anderen Fällen werden sie durch Schmerzen im Rücken und in der Leistengegend, seltener durch Urinverhaltung eingeleitet, Die Anfälle befördernde Umstände sind nach Manson Schwanger­schaft und Geburt bei Frauen, Laufen, Springen und andere körperliche Anstrengungen bei Männern; Frauen sollen im allgemeinen der Chylurie mehr ausgesetzt sein, als Männer.

Im großen und ganzen ist die Krankheit nicht gefährlich und die Befallenen können ohne weitere Störungen lange Zeit damit leben. Manchmal freilich treten in ihrem Gefolge Anämie und Schwächezustände auf, welche die Kranken stark herunterbringen und unter Umständen den Tod herbeiführen können.