Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
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148
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Prof. Dr. A. Looss.

lichste; es folgen der Häufigkeit nach variköse Leistendrüsen. Lyinphscrotuni und Orchitis; Elephantiasis scroti und Chylurie sind nicht häufig, die übrigen Formen selten. Auf den Südseeinseln ist Elephantiasis der Arme und Brüste, auf den Fidschi und Gesellschaftsinseln Elephantiasis gewisser Hautstellen häufiger als anderswo, ln Egypten wird Chylurie als die gewöhnlichste Manifestation der Filariasis betrachtet; Elephantiasis des Scrotums war nach Mohamed Aei Bey früher an den Küsten (Damiette, Rosette) häufig, Elephantiasis der Beine seltener; gegenwärtig scheinen beide merklich abgenommen zu haben. Lymphvarix, Lyinph- scrotum usw. sollen in Egypten überhaupt noch nicht beobachtet worden sein (Ixnes). Worauf diese Unterschiede zurückzuführen sind, ist bis auf weiteres noch dunkel.

Lymphangitis.

(Acces elephantiaipie oder elephantiasique, Elephantoid fever.)

ln den meisten Fällen werden die filariellen Erkrankungen, wie Elephantiasis, Lymphscrotum, variköse Drüsen etc. eingeleitet durch Anfälle von Lymphangitis, die sich in Zwischenräumen von Wochen, Monaten und selbst Jahren wiederholen können und unter erysipelatösen Erscheinungen und teilweise hohem Fieber ver­laufen. Sie sind seit langem als charakteristisch bekannt (acccs elephantiaques, elephantoid fever) und repräsentieren insofern eine bis zu einem gewissen Grade selbständige Erkrankungsform, als sie auch allein, i. e. ohne nachfolgende Elephan­tiasis etc. auftreten können.

Die Lymphangitis betrifft gewöhnlich die Extremitäten, kann aber auch auf die Leistendrüsen, Hoden, Samenstränge oder Lymphgefüiie des Abdomens beschränkt bleiben und ist im letzteren Falle nicht von äußerlich sichtbaren Erscheinungen begleitet. Sie beginnt in der Regel mit einem starken, lang andauernden Schüttel­fröste und Schwellung der Lymphgefäße mit den zugehörigen Lvmphdriisen. Die Lymphstränge werden, von außen fühlbar, hart und knotig und äußerst schmerzhaft, die über ihnen gelegene Haut rötet sich und schwillt in längslaufenden Streifen; hohes Fieber bis 41 0 tritt auf, begleitet von Kopfschmerzen, Mattigkeit, Mangel an Appetit, gelegentlichem Erbrechen und sogar Delirien. Nach einigen (meist zwei) Tagen endet der Anfall mit einer profusen Schweißsekretiou, der ein Erguß einer lymphatischen oder chylösen Flüssigkeit von der Oberfläche der befallenen Organe vorausgehen kann. Die Schwellung geht dann allmählich zurück, aber meist nicht vollständig, so daß die ergriffen gewesenen Teile nach jedem Anfalle etwas dicker bleiben, als sie vor demselben waren. In Brasilien, Westindien und auf Reunion sind im Gefolge der Lymphangitis öfter Abszesse beobachtet worden, die unter erysipelatösen Erscheinungen auftreten; manchmal wurden die erkrankten Teile gangränös und der Tod erfolgte unter Blutvergiftungssymptomen.

Die Diagnose der Lymphangitis ist dadurch erschwert, daß die häufige und oft regelmäßige Wiederkehr der Anfälle, die starken Schüttelfröste in ihrem Be­ginne und die Schweiße am Ende auf Wechselfieber hinweisen; in der Tat werden sie in Westindien z. B. vom Volke auf dieses bezogen. Als charakteristisch für die filarielle Natur der Anfälle werden angegeben in erster Linie die Veränderungen an den Lymphgefäßen und die erysipelatösen Schwellungen der Haut, weiterhin die lange Dauer des Fiebers, endlich die Abwesenheit von Malariaparasiten im Blute bei gleichzeitiger Unwirksamkeit von Chinin. Ob Filarienlarven im Blute vorhanden sind oder nicht, ist nicht ausscldaggebend, denn sie verschwinden nicht selten nach einem Anfalle und fehlen von da ab, obwohl die Anfälle selbst sich wiederholen. Mitunter können äußere Ursachen, wie Erkältungen, körperliche Anstrengungen, lokale Reize wie Naß werden, Seebäder etc. und kleine Verletzungen durch Reiben,