112
Prof. I)r. A. Looss.
Zur Konservierung von Trematoden kann folgendes Verfahren empfohlen werden. Man bringt die Würmer, mit Ausnahme derjenigen, die man eventuell frisch untersuchen will, so wie sie gefunden werden in ein großes Reagenzglas und füllt dieses bis zu */ 5 —'/* seiner Höhe mit phys. Kochsalzlösung, im Notfälle auch Wasser. Dann schließt man es mit dem Daumen und schüttelt den Inhalt einige Male auf und ab, fügt dann schnell ein gleiches Quantum konzentrierter wässeriger Sublimatlösung zu und schüttelt nochmals kräftig für 1—2 Minuten. Darauf wird das Dias verstöpselt und einige Stunden horizontal liegen gelassen. Die Würmer sind auf diese Weise gereinigt und in gut gestreckter Haltung konserviert. Sie können in der Flüssigkeit monatelang liegen, ohne Schaden zu leiden: zur definitiven Aufbewahrung sind sie in Alkohol zu übertragen. Bei größeren Formen empfiehlt es sich, nicht zu viele auf einmal zu schütteln, und sie nachher in ein größeres Gefäß mit Sublimatlösung umzugießen und in diesem auszubreiten. Nicht zu empfehlen ist Konservierung in starkem Alkohol oder Formol; möglichst zu vermeiden ist längerer Kontakt der frischen Tiere mit Wasser.
Das Verfahren eignet sich gut auch für kleinere Bandwürmer, wenn man anstatt zu schütteln das Reagenzglas nur mäßig schnell auf und ab bewegt, um ein Verknäueln zu verhindern. Größere Cestoden müssen in einem flachen Gefäß mit Konservierungsflüssigkeit hin- und hergeschwenkt werden, wenn Kontraktionen und Torsionen verhindert werden sollen.
Cestoden.
Plattwiirmer ohne Verdauungsapparat. Die für den Menschen in Betracht kommenden Arten mit bandförmig verlängertem Körper, der sich aus einer Reihe nach hinten stetig an Größe und innerer Ausbildung zunehmender Segmente, der „Proglot- tiden“, zusammensetzt. Am Vorderende der Gliederkette der „Kopf“ oder „Scolex“ mit den Fixationsorganen, die in Gestalt von 4 über Kreuz gestellten Saugnäpfen (Täniaden), oder von 2 einander gegenüberstehenden longitudinalen Sauggruben oder „Bothridien“ (Bothriocephaliden) ausgebildet sein können. Bei den Täniaden wird die Scheitelfläche des Kopfes von einem muskulösen Organ, dem Rostellum, eingenommen, welches oft mit kranzartig angeordneten Haken bewaffnet ist. Auf den Kopf folgt ein längeres oder kürzeres ungegliedertes Stück, der „Hals“, der an seinem Hinterende ohne scharfe Grenze in die Gliederkette oder „Strobila“ übergeht. Ein Darmtractus fehlt; die Bandwürmer absorbieren die in ihrer Umgebung befindlichen Nährsäfte durch die Körperhaut. Das Exkretionsgefäßsystem besteht aus (2 oder 4) im Kopfe und am Hinterrande jeder Proglottis durch Anastomosen miteinander verbundenen hellen Längskanälen, die nahe den Seitenrändern die ganze Gliederkette durchziehen.
Die Genitalorgane sind auf die Proglottiden beschränkt und entwickeln sich in dem Maße als diese an Größe zunehmen. Jede Proglottis hat ihre eigenen Genitalorgane. Diese sind hermaphroditisch und nach demselben Prinzip aufgebaut wie bei den Trematoden. Männliche und weibliche Geuitalöffnung wie bei diesen dicht beisammen, im Grunde einer von einem ringförmigen Wall umgebenen Grube, die teils auf der Kante (Täniaden) teils auf einer der beiden Flächen (Bothriocephaliden) der Glieder gelegen sein kann; letztere Fläche wird als Bauchfläche bezeichnet. Hoden in Gestalt mehr oder minder zahlreicher kleiner Bläschen unter der gegenüberliegenden „Rückenfläche“ angeordnet; ihre Ausführungsgänge vereinigen sich zu einem gemeinsamen Vas deferens, welches in dichten Windungen nach der Genitalöffnung zieht; sein Endteil kann als Penis nach außen umgestülpt werden. Die neben der männlichen gelegene weibliche Genitalöffnung fungiert bei den Cestoden nicht wie bei den Trematoden, als ßegattungs- und Geburtsöffnung, sondern nur als Begattungsöffnung. Ovarium meist zweilappig, nahe dem hinteren Gliedrand in der ventralen Körperhälfte gelegen; Dotterstöcke bläschen- oder traubenförmig, ursprünglich paarig und in den Seiten unter der Hautmuskellage verteilt, bei vielen Formen klein und auf den Raum hinter dem Ovarium beschränkt. Die fertig gebildeten Eier sammeln sich im Uterus, der bei den Bothriocephaliden schlingenförmig nach vorn verläuft und auf der Bauchfläche durch eine eigene Öffnung nach außen mündet, bei