Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1905)
Entstehung
Seite
93
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Von Würmern und Arthropoden hervorgerufene Erkrankungen.

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Bilharziosis.

(Bilharzia-Krankheit, egyptische Hämaturie.)

Eine durch dieBilliarzia (Schistosomum haematobium [v. Sieb.| 1852) her­vorgebrachte Erkrankung des Urogeuitalapparates und des Rectums, deren erstes und auffallendstes Symptom Hämaturie ist. Sie wurde zuerst in E gy p t e n be­obachtet (egyptische Hämaturie), wo sie eineVolkskrankheit im großen Stile dar­stellt (Rütimeyer), ist seitdem aber auch in den stärker bevölkerten und Küsten­gegenden des übrigen Afrika, sowie in Syrien, Mesopotamien, M a d a g a s c a r, Mauritius, Reunion usw. konstatiert worden. Durch deu gesteigerten Verkehr der Neuzeit wird sie anscheinend immer öfter verschleppt, da autochthone Fälle aus Nordamerika, Westindien, Britisch Indien, verschiedenen Orten Chinas und Cypern bekannt geworden sind. Während des südafrikanischen Krieges acquirierten eine größere Zahl englischer Soldaten die Krankheit.

Symptome.

Hämaturie. Die Symptome betreffen zuerst den Hainapparat und be­stehen darin, daß am Ende der im übrigen normalen und in normalen Zwischen­räumen erfolgenden Harnentleerungen einige Tröpfchen mehr oder minder reinen Blutes austreten. Dasselbe wird von den Betroffenen gelegentlich zuerst in der Wäsche, meist jedoch überhaupt nicht eher bemerkt, als bis sich subjektive Sym­ptome in Gestalt von Schweregefühl und vagen Schmerzen im Perineum, in der Lumbarregion oder über den Iubes, besonders aber Brennen in der Urethra während des Harnlassens einstellen. Alle Symptome pflegen nach Exzessen im Essen und Trinken, größeren körperlichen Anstrengungen, besonders Reiten u. dgl., nach Bei.lf.li auch während anstrengender Defäkationen verstärkt aufzutreten, aber bald wieder zur ursprünglichen Intensität zurückzugehen. Der Urin ist in der Regel noch normal, setzt aber beim Stehen einen Bodensatz aus roten und weißen Blut­körperchen, Epithelzellen und Schleimflöckchen ab; in letzteren, ebenso wie in dem am Ende der Harnentleerungen erscheinenden Blute finden sich mehr oder minder massenhafte Bilharziaeier.

In sehr vielen Fällen ist diese Hämaturie die einzige Manifestation der Bil­harziosis; sie dauert eine Zeitlang an und verschwindet dann wieder.

Unter den gebildeten Egyptern findet man z. B. sehr viele, welche angeben, in ihrer .lugend vorübergehend an Hämaturie gelitten zu haben und hiermit stimmen zu verschiedenen Zeiten vorgenommene statistische Erhebungen überein. So untersuchte vor Jahren Dr. Engel Bey (die Resultate sind nicht veröffentlicht, mir für den gegen­wärtigen Zweck aber freundlichst zur Verfügung gestellt worden) 200 Zöglinge von zwei Cairiner Stadtschulen und fand bei 61 = 30.5 °/ 0 Bilharziaeier. In der überwiegenden Mehrzahl dieser Fälle war der Urin noch anscheinend normal, die Zahl der Parasiteneier gering, die Infektion also eine schwache. Nur bei ll = 5.5°/ 0 der Untersuchten und 18% der Infizierten enthielt der Erin unzweifelhafte Beimengungen von Blut. Unter 124 Zög­lingen einer in der nächsten Umgebung von Cairo gelegenen Schule fand Kaütsky Bey dagegen 98 = 80% Infizierte. So erklärt es sich wohl, das in Egypten die Erkrankung ähnlich wie nach Brock in Natal und Transvaal, als etwas gleichsam Normales angesehen und nicht weiter beachtet wird.

Nach von Fit. Milton eingezogenen Erkundigungen werden in diesen wieder ausheileuden Fällen gewöhnlich 2 .Tahre als Krankheitsdauer angegeben; doch sind auch Fälle weit längerer Dauer bekannt geworden. Einer der interessantesten dürfte der des Laboratoriumsdieners von Prof. Lohtet in Lyon sein, in dem der