Einleitung.
Am längsten von allen Erdteilen blieb Australien gegen europäische Kultur und europäische Besiedlung abgeschlossen. Erst gegen das Ende des 18. Jahrhunderts wurde australischer Boden zu dauernder Niederlassung von den Weißen betreten. Heute aber, nach noch nicht 125 Jahren, finden wir das europäische Element wie in keinem anderen fremden Weltteile allbeherrschend. Freilich ist zu beachten, daß die Bevölkerung des ganzen australischen Festlandes an Zahl nicht einmal derjenigen Londons gleichkommt. Nach den Schätzungen des Hegistrar-Generals für Juli 1907 zählte London: 4 758 218, Groß-London gar 7 217 941 Bewohner, Australien mit Tasmanien dagegen Ende 1900 nur 4 119 481, mit Neuseeland nur 5 008 130 Köpfe.
Betrachten wir den ganzen Verlauf der Kolonisationsgeschichte, so finden wir, daß es eigentlich nur wenige Völker verstanden haben, wirklich dauernde Erfolge mit ihrer Kolonisation zu erzielen. Zu diesen können wir wohl die Griechen und vor allen Dingen die Römer zählen. In neuerer Zeit haben Spanien, Portugal, Holland und auch Frankreich zuweilen über ein gewaltiges Kolonialreich verfügt. Sie besitzen es z. T. auch noch heute, aber sie haben es im allgemeinen nicht verstanden, praktische Kolonialpolitik zu treiben.
Spanien und Portugal wurden wohl lediglich durch die Sucht nach Gold und Edelsteinen und Gewürzen hinaus getrieben, und ein seltsames Spiel des Zufalls wollte es, daß gerade ihnen die reichsten Schatzkammern versagt blieben. Viel verdarb ihnen auch ihr fanatischer Glaubenseifer. Besser erkannten schon Holland und Frankreich den Wert überseeischen Besitzes zur Förderung von Handel und Schiffahrt. Was den Kolonien aller dieser Staaten aber fehlte, das war vor allem eine seßhafte und tüchtige, zahlreich aus Europa eingewanderte Bevölkerung. Das lag gewiß auch daran, daß