Druckschrift 
Der Baumwollbau in den deutschen Schutzgebieten : seine Entwicklung seit dem Jahre 1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
272
Einzelbild herunterladen
 

272

Einige, von den Bezirkslandwirten über die Lage des Baumwoll­baues in den einzelnen Bezirken neuerdings erstattete Berichte wurden oben wiedergegeben.

Farbige Wanderlehrer sind bis jetzt nicht ausgebildet worden. Der Gouverneur verspricht sich von dieser Maßnahme für das Schutz­gebiet auch keinen besonderen Erfolg, da nach Lage der dortigen Verhältnisse die farbigen Wanderlehrer bei ihren Landsleuten nicht genügende Autorität besitzen würden, um eine Befolgung ihrer An­leitungen auch wirklich durchzusetzen. Sogar für die Bezirkslandwirte ist es schwer, die Eingeborenen zu einer wirklich rationellen Kultur zu bewegen.

Ob und inwieweit die Tätigkeit von Missionslehrern, von denen alljährlich eine Anzahl in Nuatjä (s. d.) einen Unterrichtskursus über Baumwollbau und andere Kulturen durchmacht, von Einfluß auf die Baumwollkultur gewesen ist, läßt sich noch nicht sagen, weil darüber noch keine Erfahrungen vorliegen.

5. Sonstige Massnahmen des Gouvernements, a) Saatverteilung.

Bis zum Jahre 1912 stammte die an die Eingeborenen zur Ver­teilung gelangende Baumwollsaat in der Hauptsache aus denEntkömereien und wurde von den in Betracht kommenden Firmen in dankenswerter Weise bis zu einem Drittel der Gesamtmenge kostenlos geliefert. Nach­dem sich indessen gezeigt hat, daß es den Entkörnereien nur in seltenen Fällen möglich ist, die Vermischung verschiedener Rassen und ver­schiedenartiger Qualitäten zu verhindern was neben zahlreichen anderen Gründen die oben ausführlich behandelte Qualitätsverschlechte­rung der Togobaumwolle zur Folge hatte begann das Gouvernement seit 1912 die Versorgung der Eingeborenen mit Saat in größerem Umfange selbst zu übernehmen. Zur Gewinnung der Saat wurden die drei Baum­wollstationen angelegt. Das Ziel dieser Stationen ist, neben anderen Aufgaben, allmählich den ganzen Bedarf der Bezirke an Baumwollsaat auf den eigenen Feldern zu gewinnen. Nuatjä deckte 1913 schon fast 30% des Bedarfes.

Die Baumwollstationen Towe und Tschadschamenade selbst erhalten nach Möglichkeit Absaaten hochgezüchteter Stämme aus Nuatjä. Diese werden vermehrt und, wenn die Erntemenge dazu ausreicht, im Bezirk zur Verteilung gebracht. Es wird dadurch erreicht, daß die zur Vertei­lung gelangende Saat qualitativ immer einwandfrei ist.

1