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Wahrscheinlich hat der Neger in ältester Zeit vielfach das Grenadill-Holz und andere Harthölzer zur Anfertigung von Werkzeugen anstelle von Eisen benutzt. Ich fand vor Jahren in einer Höhle in den Uluguru-Bergen eine Feldhacke aus- diesem Material und hörte, daß zeremoniell noch jetzt beim ersten Bestellen des Feldes in jedem Jahre der »erste Spatenstich« mit einer Hacke aus mpingo getan werden müsse.
Aus dem Grenadill-Holz und Einlagen von Elfenbein in interessanten stilisierten Pflanzenarabesken sind die großen »Sultansstühle« gefertigt, die als seltene Stücke von Lamu und Umgebung kamen und die jedenfalls recht alt sind, wenn man auch ihre Beflechtung aus Bindfaden, die Stuhlrohr-Flechtwerke nachahmt, wieder ersetzt hat. Da aber die Form dieser Sessel ganz unarabisch ist — mit hoher steiler Lehne, Armstützen und Fußbank — so vermute ich, daß es sich um Nachbildungen portugiesischer Stühle handelt, die man in Mom- bassa sah.
8. Juniperus procera Höchst.
In den Gebirgen von Ostafrika, von Abessinien bis dicht zum Nordende des Niassa-Sees, kommt in Lagen von über 1600 Meter (am Kilimandjaro sogar nur über 2500 Meter) eine Wacholder-Art vor, die dort neben den zur Gattung Podocarpus gehörigen Koniferen recht bedeutende Bestände bildet, auch in Abessinien, im Somalihochland und im Massaihochland. Das bekannteste Vorkommen ist das im »Shumme« genannten Teile von Westusam- bara, oberhalb von Masinde und Makumbara. Dort ist ein Hochplateau mit aufgesetzten Hügelrücken; die dazwischen befindlichen flachsohligen Täler sind mit niederem Gras bestanden und haben tiefen Humusboden, die Hügel sind mit Bäumen bewachsen, die besonders durch ihren Behang mit Bartflechten einen ganz nordischen Eindruck machen. Aber nicht im entferntesten gehören alle dortigen Bäume zu den wertvollen Juniperus, viel Podocarpus und anderes ist dazwischen, und die »Zedern« haben einen recht eigenartigen Wuchs, der ihre Verwertung etwas erschwert. Der Stamm ist nämlich stark geflügelt, so daß bei Aufarbeiten immer viel Abfall herauskommt, ganz abgesehen davon, daß recht viele der Bäume kernfaul sind. Leider ist in früheren Zeiten von den Eingeborenen, besonders von den Wambugu-Hirten und von dem »Sultan« Sembodja in Masinde sehr arg mit den schönen Bäumen gehaust worden. Man schälte ihre Rinde ab, um sie als Dachdeckmaterial zu benützen. Noch um 1897 habe ich massenhaft Häuser oben in den Bergen und auch im Orte Masinde in der Ebene damit gedeckt gefunden. Aber die so getöteten Bäume widerstanden den Einflüssen des Klimas ausgezeichnet; alte gestürzte Exemplare, auf denen große andere Bäume gewachsen waren, und die demnach schon mindestens 20 Jahre im Walde gelegen hatten, zeigten ein ganz gesundes Holz, das nicht die Spur verrottet war.
Der Juniperus wird in Usambara mwangati genannt. Einige behaupten,