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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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und von den heimischen Fabriken ätherischer Öle gut beurteilt. Demnach haben wir neuerdings in Amani und der, neuerdings verpachteten, Zweigstation Mombo einen größeren Anbauversuch damit gemacht, um festzustellen, wieviel und wie rasch sie brauchbare Wurzel gibt. Es lassen sich jedenfalls bedeutende Quanti- titäten davon hier züchten, nur ist in schwerem Boden das Ausgraben der Wurzeln etwas kostspielig, in leichterem billiger.

Bei einem Versuch erhielten wir folgendes Resultat:

In Amani wurden von 1975 Pflanzen 105 Kilo Wurzeln mit einem Aufwand von Arbeitslohn für die Ausgaben usw. von 111 Mark gewonnen, also 54 Gramm pro Pflanze. Doch ist bei dem schweren Boden dort die Entwickelung der Wurzel nicht gut und der Arbeitslohn hoch. In Mombo auf leichterem Boden kostete das Graben, Packen, Trocknen von 177 Kilo Wurzeln 74 Rup. = 98,3 Mark. Der Transport bis Hamburg kostete noch 68 Mark, so daß uns 282 Kilo auf 279 Mark zu stehen kamen. Das Gewicht war auf dem Transport bis Deutsch­land noch auf 250 Kilo zurückgegangen, für die wir 362,50 Mark erlösten. Die Kosten für das Roden und Reinhalten des Landes, Pflanzen und Zinsverlust sind bei obigem nicht in Ansatz gebracht, so daß nicht viel Gewinn übrig sein wird. Aber auf leichtem, sandigem Boden wird man bessere Resultate mit geringeren Unkosten erreichen, so daß eine rentable Ausfuhr mir möglich scheint. Wir setzen deshalb unsere Versuche fort. Ob aber der deutsche Markt für große Mengen dieser Wurzeln und immer zu 1,45 Mark pro Kilo aufnahmefähig sein wird, ist mir unwahrscheinlich.

In Bombay wurde uns nur recht wenig für sie geboten.

2. Cananga odorata Hook, et Thoms.

Das Ylang-ylang- oder Cananga-Ol wird auf der Insel Luzon der Philippinen unter dem ersten, auf Java unter dem zweiten Namen gewonnen. Es wurde, ob­gleich in den Ursprungsländern (z. B. in Java) die sehr wohlriechenden Blüten bei den Eingeborenen lange in Gebrauch waren, erst von deutschen Unternehmern auf Luzon dargestellt, ward 1864 zuerst nach Europa gebracht und kam nach der Pariser Weltausstellung 1878 zur Herstellung von Parfüms in Mode. Das erste feinere Destillat geht als das viel wertvollere Ylang-ylang, das zweite auch von Manilla als minderwertigeres Cananga-Öl in den Handel; das von Luzon gilt für besser als das von Java.

1900 brachte ich Samen der Pflanze von Reunion mit, die im Januar 1903 schon zu blühenden Bäumen geworden waren. Im August 1905 bildeten sich die ersten Seitenäste in den Blattwinkeln. In Daressalam blühten die Bäume fast das ganze Jahr lang, in der kühlen Zeit weniger als in der heißen. Samen setzten sie nur wenig an, aus denen dann die in Amani stehenden Exemplare heran­gezogen wurden, die in der warmen Zeit 1906/07 die ersten Blüten trugen. Sie wachsen hier im Sigi-Tal recht rasch und gut, blühen aber bisher nur in der