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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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b. Coffea liberica

ist eine aus dem feuchten Küstenland von V estafrika stammende Art mit sehr großen, dicken Blättern und Früchten, die etwa doppelt so groß sind wie die.der arabischen Art. Es wurden auf diese Art des Tieflandes große Hoffnungen ge­setzt, in vielen Ländern baute man sie an, erfand sogar besonders abgeänderte Methoden für die Aufbereitung der Bohnen. Auch bei uns hat man früher sie ziemlich viel kultiviert, wie ich oben erwähnte, besonders als Ersatz der auf­gegebenen Tabakskultur. Aber sie gedieh nicht sehr gut, das Klima unserer Niederungen hat zu wenig und besonders zu ungleichmäßige Regen, als daß ein Baum des feuchten westafrikanischen Tieflandwaldes bei uns seine besten Be­dingungen finden könnte. Außerdem wurden die daraus gewonnenen Kaffee­sorten auf dem Weltmarkt noch schlechter bezahlt als die anderen. So hat man diese Pflanzungen fast alle verlassen. Meines Wissens wird nur eine von etwa 20 Hektar mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 25 Doppelzentnern (nach der Statistik des wirtschaftlichen Verbandes) weiter bewirtschaftet. Sie wird die geringen Unterhaltungskosten, wohl aufbringen. Im übrigen spielt der Liberia-Kaffee bei uns wirtschaftlich keine Rolle mehr.

c. Coffea arabica var. Stuhlmanni Warb.

Der Bukoba- oder Uganda-Kaffee. Die ersten europäischen Reisenden, welche die Länder nordwestlich des Victoria-Sees erforschten so Grant 1862 in Witschiu, Cameron in Karagwe, Stanley Anfang der 70er Jahre in Uganda u. a. m., berichteten, daß dort der Kaffeebaum vorkomme. Meistens wurde behauptet, daß er wild sei, genauere .Beobachter aber beschreiben ihn als in einzelnen Exemplaren in den Bananenhainen angepflanzt. In den Baziba-Sultanaten, z. B. bei Bukoba, heißt er nnuani, mnani ."ebenso in Uganda, in Unyoro muarri. dort im inneren Marktverkehr nach Emin auch udiva. Die Bohnen werden nie zur Herstellung eines Getränkes durch Abkochung benutzt, sondern man pflückt sie fast völlig reif ab, brüht sie mit heißem Wasser und läßt sie im Schatten trocknen. In kleinen zierlichst geflochtenen Körbchen oder Säckchen wird der Kaffee bei jeder Gelegenheit in diesem Zustand angeboten, man kaut die mit der Kirschenschale getrockneten Bohnen, nachdem man sie aus der Schale gelöst, wodurch Speichelabsonderung und wohl auch ein leichter narkotischer Effekt er­zielt wird.

Das Wort für »Geschenk« soll gleichlautend mit der Bezeichnung für die Kaffeebohne sein, beim Schließen der Blutsbrüderschaft werden von den beiden Kontrahenten je eine der beiden in einer Kirsche enthaltenen Kaffeebohnen, mit dem betreffenden Blut bestrichen, verzehrt. Wie mir Herr H. Rehse, der sich lange bei Bukoba aufhielt und dort die Sitten der Leute genau studierte, schreibt, darf nur ein vollerwachsener Mann einen Kaffeebaum pflanzen und zwar nur einen während seines ganzen Lebens, da man glaubt, daß der, welcher ihn pflanzte, mit dem Absterben des Baumes auch stirbt. Bevor die Leute Kaffee-