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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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XI. Die narkotischen Genußmittel

1. Cannabis sativa L.

Der Hanf dient in Ostafrika weder zur Gewinnung von hasern noch seiner Samen wegen, sondern nur als Narcoticum. Ich führe ihn deshalb hier unter den Genußmitteln auf. Er ist nach der Ansicht der Botaniker in Zentralasien, etwa südlich vom Kaspischen Meer bis Sibirien einheimisch und ist vielleicht zuerst in Bactrien und Sogdiana angebaut worden. Nach Europa ist er wohl durch die Wanderungen der Scythen nach Rußland auch nach Gallien gekommen, den klassischen Völkern blieb seine Kultur lange Zeit noch fremd.

In vielen seinen Benennungen findet sich der Stamm an. kan wieder. So das cannabis. ha?iaf, häncp, kauf, kannab der Araber,*) kanas der Kelten usw. Eine zweite Gruppe von Bezeichnungen ist das russische pcnka. das persische und' afghanische beug, bang, altsanscrit-vedisch bhanga. zendisch banket, sanscrit banga, bhanga, gangika, gunjika. von denen letzteres wohl mit dem persischen ginnab. dem arabischen kannab zusammenhängt. Viele leiten das bhang von sanscrit bhanga, brechend, ab, Burton aber ebenso wie das arabische banj vom altkoptischen nibanj , das eine Präparation aus Hanf bezeichnete und wohl mit dem homerischen mgenthes stämmeseins war (Yule und Burneil S. 59 )-

Schon in sehr alter Zeit muß der Hanf von seinem Heimatland aus ver­breitet worden sein, in der ältesten indischen Literatur, in der Vedas, wird er vor 3000 Jahren erwähnt, die Chinesen hatten ihn mindestens seit dem 6. vor­christlichen Jahrhundert. Herodot erwähnt ihn von den Scythen im 5. Jahr­hundert v. Chr., und noch jetzt wird er nirgends in so ausgedehnter Weise wie in Rußland südlich von Moskau gebaut.

*) Im Assyrisch-Babylonischen hieß die Pflanze qtnntbu (B e h r e n s , Leipziger semitische Studien. II. 1906), also auch dasselbe Wort. Es wäre zu untersuchen, ob dies mit der Wort­wurzel kn, qn und demselben Stamm wie canna usw. = Rohr zusammenhängt. Dann würde in altsemitischen Sprachen Hanf und Rohr dieselbe Sprachwurzel haben, was darauf hindeuten könnte, daß der Hanf aus Rohren geraucht wurde (vergl. auch Cornes, le Tabac S. 1).