Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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dann und wann auf den Markt in Zanzibar, wird aber nicht gebaut, offenbar ist sie hier aus Arabien und nicht aus Persien oder Indien bekannt geworden.,

In Abbessinien werden, wie Körnicke angibt, nicht weniger als acht Varietäten der H, distichon gebaut, darunter die in Yemen kultivierte v. de - ficiens und die aus Persien und Assyrien bekannte v. spontaneum, die wilde Urform. Ferner zwei Varietäten der vierzeiligen und fünf Varietäten der sechs­zeiligen Sorte. Die Tigrinja nennen sie söghem, sigam, ssegäm, die Saho adelaü, die Amhari gcbs. Auch aus Timbuktu ist die Kultur der Gerste bekannt. Die Tuareg in Algier nennen sie timsvne. In Südeuropa und der Türkei wird die Gerste heutzutage vor allem als wichtigstes Pferdefutter gebaut, in Mitteleuropa aber als Bier-Produzent, das sie im Altertum schon war, denn Xenophon erzählt, daß die Zehntausend in dem heutigen Armenien Gerstenbier mit Strohhalmen tranken, da man so den Mitgenuß der vielen darin schwimmenden Getreidekörner vermied, und ebenso wird in Armenien heute noch das dort busa genannte Ge­tränk genossen.

6. Leptochloa chinensis (Roth) Nees,

ein einjähriges, flachblättriges Gras, das mit der Eleustne coracana eng ver­wandt ist. Im Jahre 1896 brachte Gouverneur Dr. von Wißmann aus Usagara die Pflanze und deren Samen nach Darressalam mit der Angabe, daß bei der damaligen durch Heuschrecken verursachten Hungersnot die Eingeborenen die Samen der wilden Pflanze sammeln und zu Brotmehl verarbeiten. Es ist ein Gras, das außer im tropischen Afrika auch noch in Asien bis Japan und in Nord­australien vorkommt und das vielleicht als Unkrautpflailze hierher aus Asien ein­geschleppt ist.

Es ist dies ein sehr interessanter Fall, wie wilde Gräser als Mehlfrüchte ge­sammelt werden, in ähnlicher Weise werden in der Urzeit die heute angebauten Getreidearten verwandt und allmählich durch Auslese veredelt und angebaut worden sein.

7 . Leptochloa obtusiflora Höchst.

In der Landschaft Ukhwere bei Bayomoyo werden die winzigen, grau-grünen Samen dieser Grasart, die in Abessinien und Ost-Afrika verbreitet ist, von den Eingeborenen bei Nahrungsmangel gesammelt und zu Mehl verarbeitet. Die Pflanze heißt dort kwekwede.

8. Oryza sativa L.

Der Reis ist wahrscheinlich eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Wenigstens wissen wir, daß nach der chinesischen Überlieferung er die vor­nehmste unter den fünf Feldfrüchten war, die nach der vom Kaiser Schin-Nung im Jahre 2800 v.' Chr. festgesetzten Ordnung in feierlicher Handlung jedes Jahr ausgesäet werden mußten, und zwar sollte das beim Reis jeweils durch den Kaiser