Teil eines Werkes 
Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
Entstehung
Seite
165
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VII. Die Getreide-Gräser und Futter-Gräser

1. Avena sativa L.

Der Hafer mag hier nur der Vollständigkeit wegen aufgeführt werden, da er in unserm Gebiet bis vor kurzem gar nicht und in Afrika überhaupt recht wenig angebaut wird. Dies wahrscheinlich aus Vorder- oder Innerasien stammende, vorwiegend im Norden angebaute Korn wächst bekanntlich im Mittelmeergebiete vielfach in einer wilden Form. In Abessinien wird es angeblich nicht angebaut, aber eingesammelt und zuweilen wie Reis gegessen. Da seine Körner aber dort nicht von selbst ausfallen, sondern in Ähren bleiben, so wird man es mit einer verwilderten Kulturart zu tun haben. Das Getreide heißt dort auf Amhari gherama, auf Tigrinja säa und Körincke hat aus Abessinien vier Varietäten davon beschrieben.

In Deutsch-Ost-Afrika wird Hafer seit Jahren auf der Domäne Kwai als Futterpflanze angebaut.

2. Andropogon Sorghum L.

(Siehe Verbreitungskarte).

Die Mohrenhirse, Sorghum oder Durra, wie dies Korn auch bezeichnet wird, ist bei weitem die wichtigste Getreide-Art in Ost-Afrika. Sie ist es, die in dem größten Teile unseres Gebietes das Wirtschaftsleben heute noch bestimmt und in früheren Zeiten, d. h. vor der Einführung von Mais und Maniok noch weit mehr bestimmte. Es ist das eigentliche Getreide für das tropische Afrika, soweit es nicht im Gebiet der westafrikanischen Waldflora oder in zu großer Höhe liegt.

Seitdem De Can dolle sein berühmtes Buch über den Ursprung der Kul­turpflanzen schrieb, in dem er die Stammpflanze hierfür noch nicht eruieren konnte, ist diese jetzt in der Andropogon halepensis Brotero (Sibth.) mit großer Sicherheit nachgewiesen. Es sind zwischen beiden außer der Nicht-Brüchig-