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Bd. 10 (1909) Beiträge zur Kulturgeschichte von Ost-Afrika : allgemeine Betrachtungen und Studien über die Einführung und wirtschaftliche Bedeutung der Nutzpflanzen und Haustiere mit besonderer Berücksichtigung von Deutsch-Ostafrika / von Franz Stuhlmann
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falls auch kaum in derartigen Mengen beschaffen läßt, daß er einen dauernden Massenartikel unseres Exportes bilden kann, es sei denn, daß man wie in Indien die Bäume anpflanzt. Immerhin sind von Pangani aus verschiedentlich Partien dieses Stoffes nach Deutschland gesandt; ob mit finanziellem Erfolg, entzieht sich meiner Kenntnis.

Über den Baum und seine Anatomie hat Dr. Braun ausführlich berichtet (Beitr. z. Anatomie der Adansonia digitata. Ing. Diss. Basel 1900).

Die Rinde wurde zuerst 1848 von Duellassaing als Fiebermittel empfohlen, sie war eine Zeit lang als Chininsurrogat unter dem Namen Cortex Cael Cedra im Handel, es ist in ihr ein Bitterstoff Adansonin enthalten. Aus den ge­trockneten und gepulverten Blättern wird ein lalo genanntes Getränk hergestellt.

Der Baum selbst ward zuerst 1456 von Lud. cadaMosto bei der Entdeckung des Cap verde erwähnt, als Baobab wird er 1592 von Prosper Alpinus aus Ägypten beschrieben, der auch feststellte, daß die terra di Lomnos genannte Drogue die Pulpa dieses Baumes sei. An portugiesischen Namen gibt Clusius abavo und calabaccra (für die Frucht), Werne nennt ihn von Sennar als hommer, kongaliss, Vogel von den Kanirie kuka, Ascherson von Chinchoxo an der Loango-Küste imbondera, vom Sudan clhoniräh (»die Rote«), quanqalis (Frucht) (baobab = habb habb habb = Korn, Same), Rangon von Senegal gouyc (nach Braun).

3. Anacardium occidentale L.

Der Kaschu- oder Acajou-Baum gehört zu einer Gattung der Anacardiaceae, deren sämtliche Arten in Amerika heimisch sind. Und so stammt auch diese Kulturpflanze sicher aus Westindien oder Brasilien. Es ist ein hochwerdender Baum mit verkehrt eiförmigen, ganzrandigen, lederartigen Blättern und endstän­digen Rispen weißer Blüten. Die Frucht hat einen Stiel, der dick-fleischig an­schwillt, sie selbst ist nierenförmig und hängt komma-artig an dem birnenförmigen, bräunlich-gelblichen, sehr saftigen Stiel.

Der Baum, dessen größte Exemplare 810 Meter hoch sind, ist nicht sehr häufig bei uns, in Daressalam z. B. war er früher unbekannt. Häufig ist er be­sonders auf der Insel Mafia, bei Kilwa, Lindi, Mikindani, Kionga, ein sehr großer steht auf dem Schulhof in Tanga. Auch auf Zanzibar und Pemba ist er verbreitet. Er heißt hier mbibo oder mkanju, seine Frucht korosho. In Mada- gascar heißt der Baum mahibiha, in Süd-Togo atschia.

Ich erwähnte vorhin, daß der Baum aus Amerika stamme, wo er in Bra­silien acaju, acajaiba heißen soll, und aus diesem Wort hat der Engländer Cashew­nut, der Franzose Acajou gemacht. Jetzt ist die Pflanze in der ganzen Tropen­zone verbreitet, und es ist ziemlich sicher anzunehmen, daß die Portugiesen sie nach Indien, den Sunda-Inseln und auch nach Ost-Afrika brachten. Noch heute lieben sie sie in Mossambik, Kilimane usw. sehr, weil aus den fleischigen Frucht­stielen bei ihnen durch Gärung und Destillation ein Liqueur hergestellt wird.