Druckschrift 
Die evangelische Mission in den Kolonien und die Wahrung des konfessionellen Friedens / von Lic. Theodor Moldaenke
Entstehung
Seite
13
Einzelbild herunterladen
 

um ihrer Eigenart willen zuletzt genannt arbeitet hier der Allgemeine evangelisch-protestantische Missionsverein, die Missionsgesellschaft des kirchlichen Liberalismus; eine ausgezeichnete Schularbeit (auch unter gebildeten Chinesenmädchen) und seine missionsärztliche Tätigkeit, ohne das Ziel eigener Gemeindebildung, geben ihm sein Gepräge.

Rückblickend überschauen wir in runden Zahlen das Stärke­verhältnis beider Missionen in der deutschen Südsee und Kiautschou:

Stattlich nehmen sich die rund 26 000 evangelischen Missionsschüler gegenüber 1100H katholischen aus. Aber in allen andern Spalten welche zahlenmäßige Ueberlegenheit der Katholiken! 51 evan­gelische Hauptstationen und 92 katholische, 126 evangelische (weiße) Missionsarbeiter und 400 katholische, darunter 72 ordinierte Missionare gegenüber 134 Patres und nur 19 evangelische Missionsschwestern gegen­über 151 katholischen! Verhältnismäßig gering ist der Ueberschuß der katholischen Neuchristen gegenüber den evangelischen: 43000 gegen 38000, desto erstaunlicher aber der Aufwand an Missionspersonal. Die Zukunft kündet sich an!

Bei dem Ernst der Lage kann ich Ihnen eine auf das Allerwesentlichste beschränkte Gesamtüberschau nicht ersparen. In allen deutschen Kolonien beträgt (bei richtiger Veranschlagung der statistischen Angaben!) die Zahl der Weißen evangelischen Missionsarbeiter (höchstens) 688, der katholischen etwa 1200, der Neuchristen rund 110 000 bezw. 145 000 bis 150000, der Schüler 108 000 bezw. 90 000. In der Schule allein ist die evangelische Mission der katholischen noch ein wenig voraus wie lange noch??

II.

Warum diese ganze Beweisführung? Weiß Gott, nicht aus kleinlichem konfessionellen Neid, nicht um den Hader der Kon­fessionen zu schüren. Ich habe absichtlich auf die Wiedergabe alles Klatsches nicht nur, sondern auch wohlbezeugter Einzelheiten verzichtet, die geeignet wären, die manchmal eigentümliche katholische Missions­praxis zu beleuchten.

Daß die katholische Mission tut, was sie kann, ist ihr Recht und ihre Pflicht vor Gott und Menschen. Aber daß sie ihre ganze Kraft einsetzt, um die deutschen Kolonien zu erobern und den Be­weis, daß sie es trM), glaube ich erbracht zu haben kann uns nicht gleichgültig sein. Daß sie dieses Ziel mit allen Mitteln ver­folgt, wo es sich nur um einen friedlichen Wettbewerb in Liebesübung und Glaubensleben handeln sollte, muß uns stutzig machen. Wir.wissen aus Geschichte und Gegenwart, wie diese Minorität, die nach Gleich­berechtigung schreit und die Duldsamkeit im Munde führt, von Gleich­berechtigung nichts mehr weiß, wo sie zur Majorität geworden ist. Und

*) Die katholische Presse spielt natürlich den Harmlosen und redet von einem durch nichts begründeten evangelischen Kesseltreiben. Jagdherr ist natürlich der Evangelische Bund. (Köln. Volksztg. 1913, Nr. 272). Vgl. auch Ztschr. f. Miss.-Wiss. III. (1913) S. 238.