4
ist im Ernst keiner Konfession eingefallen. Wohl aber werden auf beiden Seiten von Zeit zu Zeit Klagen über das Eindringen der fremden Mission in Arbeitsgebiete der eigenen laut. Die evangelischen Missionen haben sich, soweit solche Beschwerden berechtigt waren, zur Abstellung der Mißstände bereit finden lassen und vorgeschobene Schulen- und Außenposten zurückgezogen. Von der katholischen Mission läßt sich diese Loyalität nicht immer behaupten.
Vor der Behandlung des ganzen Themas lassen Sie mich seinen erstell Teil unterstreichen und Ihnen in einem ganz knappen Ueber- Llick die evangelische Mission in unseren Kolonien zum Bewußtsein bringen. Es soll das geschehen unter beständiger Rücksichtnahme aus den eigentlichen Zielpunkt des Themas, die Erörterung der Frage, ob und wie der konfessionelle Frieden auf unseren kolonialen Missionsfeldern gewahrt werden kann, daher muß die katholische Mission be- beständig herangezogen werden.Z
I.
Deutsch-Ostafrika, unsere größte und zukunftsreichste Kolonie, weist im Nordosten und im Südwesten seine stärkste Besiedelung durch evangelische Missionen auf. Dort legt sich ein üppiger Kranz blühender Stationen von dem Hafenort und Ausgangspunkt der Nordbahn, Tanga,
Z Zur Erklärung der beigefügten Missionsstatistik dies: Für die evangelischen deutschen Gesellschaften liegen die meist mit dem 31. Dezember 1912 abschließenden Jahresberichte für 1912 zugrunde; ihnen ist jedoch nur die Zahl der eingeborenen Christen (Getaufte) und der Taufbewerber entnommen. Die Zahlen der Hauptstationen, der europäischen Missionsarbeiter, der Schulen und der Schüler sind die dem Arbeitsausschuß für die Nationalspende eingereichten Angaben; sie gelten für den 16. Juni 1913, den Tag des Regierungsjubiläums unseres Kaisers. Die Differenz dieser Zahlen mit der Statistik der letzten Jahresberichte erklärt sich einmal durch den Zeitunterschied von fast einem halben Jahre, bei den Zahlen der europäischen Arbeiter aber auch dadurch, daß die am 16. Juni beurlaubt gewesenen, aber im Dienst der Gesellschaften stehenden Missionare usw. mitgezählt sind. Von dem statistischen Grundsatz der Zeiteinheit glaubte Verfasser im Interesse einer möglichst den augenblicklichen Stand wiedergebenden Zahlenreihe abgehen zu dürfen. Desto mehr bedauert er, gezwungen gewesen zu sein, bei einigen ausländischen evangelischen Gesellschaften diesen Grundsatz zu verlassen, weil die Angaben für das letzte Jahr trotz Bemühens oft einfach nicht zu erlangen waren. In diesem Falle sind die Zahlen benutzt, die in dem letzten kolonialamtlichen Bericht: „Die deutschen Schutzgebiete 1911/12" (Berlin, S. Mittler 1913) gegeben sind, und wo diese unvollständig waren, die in den „Winken zur Werbetätigkeit für die evangelischen Missionen in den deutschen Kolonien aus Anlaß der Nationalspende zum Kaiserjubiläum" gegebenen Zahlen nachgedruckt. An dem Gesamtbilde ändern diese Mängel nichts.
Für die katholische Mission haben wir in dem Jubiläumsbuche Pros. Schmidlins: „Die katholischen Missionen in den deutschen Schutzgebieten" (Münster 1913) mit einer Ausnahme (für die Benediktiner in Deutsch-Ostafrika sind die Zahlen für 1911 eingesetzt) eine durchgehende Statistik für 1912. Zu