2. Heirat und sociale Stellung der Frau.
Da ich aus dem Rahmen meiner Arbeit heraustreten würde, wenn ich eine umfassendere Schilderung samoanischer Sitten unternähme, so darf icli mir doch nicht versagen, dies in aller Kürze betreffs der Heirat und Ehe zu tliun, weil ja speciell diese für das wirkliche Verständnis der Stammbäume unumgänglich notwendig sind. Denn nicht allein handelt es sich hier um die Schicksale der eben genannten taupou, sondern besonders auch um die zahlreichen Heiraten eines Häuptlings und einer Frau. Betreffs der ersteren nun verweise ich im speciellen auf die schon erwähnten Aufsätze bei Stuebel (p. 113—126), denen ich zum Teil hier folge:
Hat ein junger Häuptling ein Auge auf eine Dorfjungfer geworfen und sind die Sprecher seiner Dorfschaft damit einverstanden, weil jenes Mädchen aus angesehener Familie und im Besitz vieler feiner Matten ist, so halten sie darüber eine Beratung (fale tautü), wie es wohl einzurichten wäre, damit der junge Mann zu seinem Ziele gelange. Sie verabreden, dass vorerst einmal einige Leute geheimerweise unter irgend einem Vorwände in das Dorf des Mädchens gehen sollen, um zu sehen,
No. 8. Tanz von Häuptlingssöhnen (manaia) mit Kopfschmuck.
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ob auch alles richtig in Ordnung ist, um das Mädchen selbst möglichst kennen zu lernen und ihre Absichten zu erfahren. Erst wenn diese Fahrt (tafaoga oder evaevaga) zur Zufriedenheit ausgefallen ist, indem diese Brautwerber (soa) alle möglichen Listen aufgeboten haben, wird eine eigentliche Brautwerbefahrt (aumoega) von dem Dorfteil ausgerüstet, wo der Häuptling residiert, der aber selbst noch nicht mitgeht. Sie nimmt viel Essen mit, Taro und Schweine (5—10) und reist nach dem Orte des Mädchens. Wenn dort ihr Essen von dem Dorfhäuptling angenommen wird und die Tochter sträubt sich nicht, dann gilt die Heirat als abgemacht. Ist aber ersteres nicht der Fall, während die Tochter zur Fortsetzung des Bewerbens ermuntert, dann kehrt die Freiwerbefahrt nach Hause zurück und rüstet eine neue aus, an welcher sich auch einzelne Leute aus der grösseren Dorfschaft beteiligen. Nun gellt auch der freiende Häuptling oder Häuptlingssohn mit und eine grosse Menge von Schweinen begleitet die Reisenden. Wird nun auch diesmal das Essen wieder nicht angenommen, ermuntert aber die Häuptlingstochter von neuem die Bewerber, so kehren sie wieder heim und nun sucht der Häuptling sein ganzes Ansehen aufzubieten. Es kommt jetzt in Betracht, ob die Abkunft der Braut eine so hohe ist, dass die ganze Dorfschaft ein Interesse daran hat, dieselbe zu gewinnen, und ob der freiende Häuptling ein solches Ansehen besitzt, ob er matai ist oder sein wird, so dass ihm die ganze Dorf-