31
kam nämlich während einer malaga nach Salani, wo seine Frau Sivalavala die Matte zu Ende wehte. Durch Tapumanaia, den Sohn des Saumaipe'a aus erster Ehe mit Tuaetali, kam auch diese Matte an Salamasina, welche sie für den Gatoaitele-Titel an Tuisamau (Fata) gab. Längst zerfallen.
Gogotagi.
Als die Matte geflochten wurde, schrieen die Möwen (tagi o gogo). Sie wurde gewoben in Va'aua, inlands von Lufilufi und zwar von Pu'aloä, der Tochter des Tusa, des grossen Sprechers von Lufilufi. Diese Pu'aloä heiratete den Samaila Salilö von Falease'elä, geboren Samaila ia Futi und ein Mädchen, Avegatoloa. Diese Avegatoloa heiratete den Enkel des Tuala und gebar Fenunuti 1 , aus dessen zweiter Ehe mit Uituafanua die Sinamuli hervorging, die Mutter der Fuatino, welche den Fonotl heiratete. So kam die Matte zu Fonotl, welcher sie für den Tuiatua-Titel an Lufilufi gab, wo sie noch sein soll.
Tamaletoloa.
Als einst Teu'uamaua, die Tochter des Lin in Lufilufi, im Hause sitzend eine feine Matte flocht, liebkoste gerade eine zahme Wildente (toloa) ihr Junges und als Teu'uamaua dies sah, rief sie aus: Le toloä e matuä ia alofa i siana tama; na maua a'u le igoa o si'ou 'ie! (Diese Wildente liebt ihr Junges gar sehr; ich habe dadurch einen Namen für meine Matte gefunden.)
Auch diese Matte kam an Fonotl. Denn Teu'uamaua heiratete den Auva'a in Falealupo, geboren wurde Ugapö 2 . Dieser heiratete Tautala i moega, die Tochter des Togia in Tifitifi, geboren Alolenei, deren Tochter Talaleomalie den Faumuinä heiratete und dadurch Mutter des Fonotl wurde. Auch diese Matte ging durch Fonotl nach Lufilufi zurück, wo sie jetzt noch sein soll.
Diese sechs Matten sind die bekanntesten aus alter Zeit. Natürlich giebt es deren heute noch eine grosse Zahl. Es sei hier nur noch an die Matte Pulu ma le Le ulen der Sa tuala und Salevalasi erinnert (siehe IV. A. c. 4). Die jetzige Hauptmatte des Mata'afa heisst Laga'ula, eine von. Sa'anapu die Fauomapiva. Wenn man diese Geschichten der Matten liest, so wird man aber auch begreifen, warum die Tuiaana-Linie so mächtig wurde.
d. Familie und Gesellschaft.
Die Familie ist der Grundpfeiler des samoanischen Staatswesens, und man kann deshalb Samoa geradezu einen Familienstaat nennen. Während in unseren übervölkerten Gegenden der Kampf ums Dasein eine grosse Familie geradezu zu einem Unglück macht, kann dort bei der im Verhältnis zum produktiven Boden so geringen Yolkszahl, bei der üppigen Fruchtbarkeit der Tropen das Leben leicht genommen werden. Jeder Zuwachs zur Familie, sei es durch Heirat oder Adoption, besonders aber der durch Geburt, wird mit Freuden begriisst, vor allen Dingen seitens der mächtigeren Häuptlingsfamilien, welche dadurch zu grösserer Macht gelangen. Sind doch die Kinder in Samoa zugleich die Diener der Eltern, während es geradezu unehrenhaft für einen Häuptling gilt, einem Fremden zu dienen. Wie beim englischen Adel wird der Familienname nur auf ein Mitglied übertragen, allerdings in Samoa nicht auf den Erstgeborenen, sondern auf den Bestgewachsensten, Passendsten, Gehorsamsten und Fleissigsten. Da hier den Männern die Herbeischaftimg und Zubereitung des Essens obliegt, so ist für einen jungen Mann reichlich Gelegenheit vorhanden, sich bei den Seinen beliebt zu machen; denn der Samoaner verlangt gut zubereitete warme Speisen, deren Rezepte ich im zweiten Bande bringen werde. So kann es kommen, dass ein Familienoberhaupt (matai) seinen Namen und damit die Herrschaft über die Familie irgend einem Mitglied der Familie, ja sogar einem fremden Adoptivkind über- trägt, wenn nur dieses sein besonderes Wohlgefallen erregt hat. Eine besondere Stellung aber nicht allein innerhalb der Familie, sondern vor allem in der Dorfgemeinde nehmen die Töchter der Häuptlinge ein. Ich will hier nur ganz kurz diese eigenartige Erscheinung der samoanischen Dortjungfrau,
1 Über diesen Stammbaum siehe Satuaia in Aana (IV. A. b. 3).
2 Siehe II. Usuga des Tuiavi'i (IV. C. b. 2).