Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1902) Verfassung, Stammbäume und Überlieferungen
Entstehung
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ihres Gefolges, ihrer Heirat u. s. w. besprechen, obwohl gerade die letztere in ausgezeichneter Weise durch die Veröffentlichungen Stuebels (p. 113126) bekannt geworden ist. Ist doch dies alles zum Verständnis gerade der Stammbäume u. s. w. unerlässlich, namentlich soweit die Titel dieser Jungfrauen in Betracht kommen, von denen bis jetzt so gut wie nichts verlautete.

1. Die Dorfjungfrau (taupou 1 ) und ihre Titel.

Jedes Dorf, welches der Beachtung sich erfreuen will, muss einen Häuptling haben, von dessen Ansehen in Beziehung auf die Stellung seiner Familie der Grad dieser Beachtung abhängig ist. Je nach der Grösse des Dorfes bezw. der Dorfschaft können aber mehrere Häuptlinge innerhalb derselben wohnen, nur dann gewöhnlich nicht zusammen an einem Platze, sondern verteilt auf die verschiedenen Teile oder Sprengel der Dorfschaft, von denen jeder seinen besonderen Namen hat. Jeder dieser Häuptlinge strebt nun danach, innerhalb seiner engeren Familie am Orte, vornehmlich unter seinen Söhnen einen geeigneten Nachfolger zu finden, auf den nach seinem Tode der Familienname übergehen soll. Während der Lebzeiten des Vaters hat dieser Lieblingssohn, manaia genannt, keinen besonderen Namen, und wenn man auch zuweilen z. B. sagen hört,sein manaia-Name war Aloafi, ein Name, der sich auf Malietoa Laupepa bezieht, so meint man doch nur damit, dass dieser Grosshäuptling als manaia unter diesem Namen besonders bekannt war, denn jeder manaia bekommt eine Masse Namen, die je nach Gelegenheit in Scherz und Ernst gegeben werden. Anders bei der Lieblingstochter des Häuptlings. Meist schon in jungen Jahren wird dieselbe zur Dorfjungfer bestimmt und sucht sogar schon in dieser Zeit ihren Pflichten als solche nachzukommen, wie das Kawabild aus Tutuila (No. 6) zeigt. Anmuth und Bescheidenheit sind hier die Züge, welche für die Wahl massgebend sind. Ihre Erziehung ist eine sehr sorgfältige und ähnlich, wie man es neuerdings bei der jugendlichen holländischen Königin sehen konnte, ist sie der ausgesprochene Liebling namentlich im Herrscherbereiche ihres Vaters. Wie der Häuptling so erhält die taupou von den besten Speisen. Sie nimmt zwar an den allgemeinen Arbeiten der Frauen (Mattenflechten, Rindenstoft'bereitung u. s. w.) teil, doch braucht sie sich der gröberen Arbeiten, des Herbeischaffens von Bananenblättern zum Kochen und Zuckerrohr­blättern zum Hausbedecken, des Suchens von Muscheln, Seegurken, Nacktschnecken und all dem andern essbaren figota in der Strandlagune u. s. w. im allgemeinen nicht zu unterziehen. Deshalb pflegt ihr Teint heller zu sein als der der übrigen Mädchen, wovon ja auch der Name Sina (weiss) für solche hohe Mädchen stammt; deshalb auch die schlanken wohlgepflegten Hände und die geschmeidige sammet- weiche Haut, welche durch die feinen, besonders für sie bereiteten parfümierten Öle stets in Reinheit und Duft erhalten wird. Wohin sie aber auch wandert, zum Bade, zum Suchen von Blüten und wohl­riechendem Laub im Walde, zum Besuch von Freunden und Verwandten, stets ist sie begleitet von einigen älteren Frauen (soafafine), welche für sie sorgen und für die Erhaltung ihrer Jungfräulichkeit verantwortlich sind. Liess sie sich als junges Mädchen die Haupthaare lang wachsen, so werden dieselben beim Eintritt der Reife kurz geschnitten und an den übrigen Körperstellen, Achselhöhle und Scham rasiert 2 . Jetzt tritt sie auch an die Spitze der jungen Mädchen ihres Dorfes oder Dorfteils und nimmt als Führerin (sa'o) dieser Mädchengemeinschaft (aualuma) den Titel der Dorfjungfer, der taupou, an, welcher meist der Name einer berühmten Frau der Familie des Häuptlings ist. Deshalb spricht man gewöhnlich von dem sa'oaualuma-Namen der und jener Familie und sogar dieses und jenes grossen Titelhäuptlings.

Da diese Namen wichtig sind für die Stammbäume und die fa'alupega, so will ich liier die haupt­sächlichsten aufzählen. Dieselben sind für die ersten Familien folgende:

für Tuiaana So'oa'emalelagi. für Malietoa To'.

Tuiatua Sefa'atauemana. Tonumaipe'a Tilomai.

Satuala ( Aana) Fuatino. Toleafoa Tofoipupu (?).

Satuala (Savai'i) Falenaoti. Asiata, Samoeleoi (Satupaitea) Le valasi.

1 Über die Entstehung des Wortes taupou konnte ich nichts Sicheres erfahren. Es hängt wohl mit pou, Pfosten, und täu, Eigentümer, zusammen, indem der taupou ein Pfosten wie einem Häuptling zukommt. In selbem Sinne heisst täufanua Landeigentümer. Wenn Miss Fraser stets von einer taupo oder gar tapo erzählt, so sollte sie doch vor­sichtiger sein, denn dies heisst bei einem Mädchenin der Nacht Liebeshändel treiben, was gerade für eine taupou sehr unpassend ist.

2 Näheres siehe hei v. Biilow No. 10,Die Haarpflege der Samoaner, und im zweiten Band.