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3- Die Geschichte von Pili in West-Samoa.
Da die Geschichte von Pili in West-Samoa schon mehrfach geschildert ist, habe ich selbst keine Aufzeichnungen darüber gemacht. Da aber Pili und seine vier Söhne Upolu organisiert haben, so lohnt es sich hier wohl, seine Geschichte kurz zu skizzieren, wie sie von Stuebel p. 68, Turner p. 232 und v. Bülow No. 11 (Die Geschichte des Stammvaters der Samoaner. I. A. E. 1898. Bd. XD angegeben ist. Da der letztere der Pili-Sage sein besonderes Interesse zugewendet hat und deshalb am ausführlichsten ist, will icli seiner Ausführung folgen. Audi hat seine Erzählung, am meisten zu Beginn, Beziehungen zur Manu'a-Sage, die in VI. c. 19 eingehend behandelt ist. Im allgemeinen weiss West-Samoa indessen nichts von der Entstehung und Herkunft des Pili, er wird nur allenthalben als aus Manila kommend dargestellt.
Ich folge Herrn v. Bülow:
Loa (fälschlicherweise mit Bixa urellana, einem modernen Samoabaum, übersetzt 1 ) in Pagaloa heiratete Sina und gebar drei Söhne, Pili die Eidechse, Fuialaiö der Star, und Maomao der Honigsauger 2 , und eine Tochter Sina. Der Tuifiti kam, um Sina zu freien. Da Pili aber seine Schwester sehr liebte 3 , bat er sie, mitgehen zu dürfen. Sie aber schämte sich seiner und so schrumpfte das anscheinend grosse schwarze Tier, das stets in der Nähe des Hauses in der Sonne lag, zusammen und wurde so klein wie die heutige Eidechse, so dass Sina dieselbe in eine Tasche stecken konnte. Sina folgte nun dem Tuifiti in seinem Boot und die Reise dauerte sehr lange, so dass Hungersnot an Bord ausbrach. Sie machten Kawa und der Tuifiti dachte daran, Sina als Kawa-Imbiss zu fressen, als Pili seiner Schwester zuflüsterte, dass Vorrat im linken Teil des Doppelbootes sei. Zweimal wiederholte sich dies. Da merkten die Leute des Tuifiti die dämonische Kraft des Tieres und spotteten darüber. Aus Verdruss kehrte Sina ihre Tasche um und warf den Pili ins Meer. Der Vater Loa sandte nun den Star und Honigsauger aus und diese fanden den Pili schwimmend (Pili 'a'au). Sie wollten ihn nach Hause nehmen, aber er verlangte nach Sina, und so brachten sie ihn nach einer Insel Pu'agagana. Dort fanden ihn die Söhne des Tagaloaalagi mit Namen Juao und Uluao, die zum Bonito-fischen gefahren waren. Sie nahmen den Pili in ihrem Boote mit und es erhob sich ein grosser Sturm. Während nun die beiden Göttersöhne aus Angst sich verkrochen, ruderte Pili weiter, Tagaloa bittend, dass er ihn zu Sina bringen möge. Seine Bitte wurde erhört und er kam nach Fiti, ging inlands und legte grosse Pflanzungen an. Aber Sina sah er nicht. Es war grosse Hungersnot in Fiti und Menschen wurden in Unzahl gefressen. Auch Sina war in Gefahr, vom Tuifiti gefressen zu werden. Da bot sich der Palai Yams an, dem Pili zu helfen. Er wuchs von Pili’s Wohnort aus zu dem Kochhaus des Tuifiti hin, wo ihn Sina in der Verzweiflung grabend fand. Täglich holte sie nun Essen für den Tuifiti, bis sie grabend zu Pili gelangte, der ihr seine Pflanzungen gab und wodurch Wohlstand in Fiti wieder begann. Dann ging Pili in den Himmel und fiel nach Manu'a herunter (Pilipa'ü).
Man vergleiche hier die Sage mit der Stuebel’s, wo ein Häuptling Faluaseu (wohl Faleaseu) zwei Töchter hatte, Tinopoula und Sinaafalua, die nach Fiti gingen und dem Tuifiti in seiner Krankheit Hilfe brachten. Der Tuifiti heiratete sie darauf und sie gebaren den Suasamiavaava und Soalateteleupegaofiti, und ein Mädchen Muliovailele. Suasami starb und auf seinem Grab sprossen seine Fingergelenke empor, die Kawapflanze, die sie mit nach Samoa nahmen. Sie sahen, wie eine Ratte von der Kawa frass und schwindelig wurde, wovon der Dorfplatz in Vailele den Namen Niniva bekam. Darauf landeten sie in Fagalele auf Savai'i und bauten dort die Kawa an. Muliovailele heiratete den Tagaloaalagi, und geboren wurde Pili, der sich im Himmel so übel aufführte, dass ihn seine Eltern nach Manu'a herabfallen Hessen (Pilipa'ü).
Bis hierher ist die Sage verschieden und erinnert bei v. Bülow etwas an Taeotagaloa und Muiu'uleapai (VI. c. 11); aber dann geht sie ziemlich übereinstimmend weiter, indem nun Pili die Tochter des Tuimanu'a heiratet, seine Geräte (fatuaiga) aber schlecht benutzt werden, so dass er nach Tutuila und von dort aus demselben Grunde nach Aopo geht, nachdem er (v. Bülow) in Aleipata gelandet und von dort den Sohn des Manaulitautifa mitgenommen hatte, der in
1 ln einer späteren Arbeit, „Die Eidechse im Volksglauben der Samoaner“, Globus 1898, wohl richtiger „der Ewige“; Zusammenhang mit Tagaloa.
2 Maoma‘ 0 , Leptornis samoensis, ist ein Honigsauger, in Gestalt und Farbe dem Star sehr ähnlich. Alle drei Brüder sind schwarz gefärbt!
3 Auch in Manu a wird Sina als Schwester des Pili angegeben, die er als Aal mit seinem Schwanz entehrte (siehe dort).