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dem von Atua zu Ehren des Tupualegase, genannt 'o le amo o Atua ia Tupualegase, welcli’ letzteres sowohl in Lufilufi als in Falefä gefeiert wurde. Essenshuldigungen und Spiele aller Art bildeten den Hauptbestandteil dieser Feste. Wegen näherer Einzelheiten verweise ich auf die schon mehrfach genannten Bücher von Turner und Stair, der einzigen guten Berichter und Augenzeugen der alten Zeit, die gerade hierin, in den Religionssachen, ausführlicher als sonst sind. Betreffs der Mythologie überhaupt verweise ich aber auf den trefflichen Interpreten genannter Männer, unseren Altmeister Bastian, dem man nur den Vorwurf machen muss, trotz heftiger Agitation zur Rettung der polynesischen Frage selbst bis jetzt leider verhältnismässig wenig eigene Sammlungen beigetragen zu haben. Umsomehr hat er freilich sein reiches Wissen in den Dienst dieser Mythologie gestellt.
Wenn man einen Vergleich liier ziehen will vom samoanischen Mythus mit dem der übrigen heidnischen Religionen, so findet man auch hier das den übrigen allen Gemeinsame, dass nämlich die hohen Götter relativ frühe sicli in ihren Himmel zurückgezogen haben und die Herrschaft über die Menschen den Dämonen, den unteren Göttern, iiberliessen, zu denen das Volk betete und denen es gehorchte, hörend auf die Stimme der Priester, die natürlich die Essensopfer (matini) und die Tribute an feinen Matten bereitwillig entgegennahmen.
Eigentümlich berührt in Samoa nur das aktive Hervortreten des Tagaloalagi als schöpfendem Gott, indem nicht allein die Inseln um und in Samoa durch ihn eigentlich geschaffen werden, sondern auch seine Bewohner, ein Zug, der dem heidnischen „Gotte“ nicht eigen zu sein pflegt. Ohne auf die Gleichartigkeit des griechischen mit dem samoanischen Mythus allzuviel Wert zu legen, berührt es doch eigentümlich, wenn der mit der Sonne identifizierte und seine Kinder fressende Kronos, vor dem nur Zeus von der Mutter Rhea gerettet wird, wenn dieser in dem Tagaloalä, dem Sonnengott, eine Nebengestalt findet, der seine Familie auffrass und dem nur Luaui durch ihre Hingabe entrann, indem sie durch ihre darauffolgende Flucht ihr Kind Tagaloaaui vor ihrem Gatten, der Sonne, rettete b Viele ähnliche Beziehungen haben in Fraser (siehe Literaturverzeichnis) einen beredten Interpreten gefunden. Aber weder erlaubt das vorhandene Material, weitere, über den sogenannten „Völkergedanken“ hinausreichende Schlüsse zu ziehen, noch scheint ein direkter Vergleich überhaupt angebracht, solange die Zwischenglieder in Indonesien fehlen. Nicht auf dem grünen Tisch, sondern auf jenen grünen Inseln müssen wir die Arbeit zu lösen trachten. Eines erscheint sicher, dass die samoa- nische Mythologie zu den höchststehenden unter den heidnischen Theogonien zählt und dass es wohl lohnte, ihre Spuren energischer zu verfolgen.
2. Stammbaum des Lu und Pili.
Stammbäume für ganz Samoa aufzustellen, scheint kaum ratsam. Nur in einem Falle möchte ich eine Ausnahme machen, nämlich den Lu und Pili betreffend, welche schon im Abschnitt a als besonders wichtig für die Urgeschichte von Samoa gekennzeichnet wurden.
Usu Malamagaga'e
Usu Lupe
Usuia Palapala
Usu Tupufua
'O le gafa o Lu ma Pili.
ia Malamagagaifo tasi'o Lupe
ia Ma'ata'anoa
tasi ‘o Palapala (teine)
e Nu'u
tasi 'o Tagata
ia Sulu i mauga
le tamaita'i Uafato
Licht im Osten. Siehe die Aehnlichkeit des Anfangs des Tuiaana-Stammbaums. (IV. A. h 2.)
Licht im Westen.
Nach Turner p. 11 blieben von der ersten Sintflut nur Tauben (lupe) und Hühner (moa) übrig.
loser Stein Pratt, kleine Steine Turner, abgesonderte Steine.
Sumpf, teine heisst „Mädchen“.
palapala der Sumpf, Morast.
nu'u Land, Insel.
wurde tupufua genannt, „aus nichts entstanden“, der erste Mensch, tagata.
„Fackel auf dem Berge“: nach Turner: Usu Lu ia Gaogao o le tai, tasi 'o Lu 2 .
- tasi 'o Lu.
1 Siehe VI. c. 4.
2 Lu lebte in Uafato, nachdem er nach der grossen Flut auf dem Malata in Atua gelandet war. Lu ist der samoanische Noah. Siehe auch die Flutsage von v. Biilow, No. 12.